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HORMONSTÄBCHEN IMPLANON - NEUE ÄRA DER VERHÜTUNG1?

Als "Hightech unter der Haut"1 und "völlig neue Methode zur Empfängnisverhütung"2 preist Nourypharma sein Hormon-Implantat IMPLANON an, das seit dem 15. Juni auch in Deutschland erhältlich ist. Das Langzeit-Verhütungsmittel soll "Frauen jeden Alters und in jeder Lebensphase" eine "sorgenfreie und sichere Verhütung" bieten.2 Schon vor Monaten kursierten Pressemeldungen über eine Verzögerung der Einführung wegen der "großen Nachfrage in Nachbarländern"3 und angebliche Wartelisten3 bei Frauenärzten - so werden Begehrlichkeiten geweckt.

EIGENSCHAFTEN: Das Implantat enthält 68 mg Etonogestrel. Plasmaspiegel erreichen innerhalb von 1 bis 13 Tagen ihr Maximum (bis 1.270 pg/ml). Im Laufe der Zeit nimmt die Wirkstofffreisetzung ab, sodass die durchschnittlichen Blutspiegel auf 156 pg/ml am Ende des dritten Jahres sinken. Die kontrazeptive Wirkung soll in erster Linie auf einer Hemmung des Eisprungs beruhen. Zusätzlich verändert sich der Zervixschleim.4

WIRKSAMKEIT: Vollständig veröffentlicht sind mehrere unkontrollierte Studien sowie ein offener Vergleich mit dem Levonorgestrel-haltigen Implantat NORPLANT an jeweils 100 Frauen. In mehreren Übersichten5,6 werden zudem die Ergebnisse unveröffentlichter Untersuchungen berücksichtigt. Die Studiendauer beträgt zunächst zwei Jahre, ein Teil der Frauen belässt das Stäbchen anschließend weitere ein bis zwei Jahre. Weder unter IMPLANON noch unter NORPLANT tritt eine Schwangerschaft auf. Aus diesen Daten errechnet sich eine Versagerquote (Pearl-Index, Zahl der Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre) von 0,0.6 In einigen Studien war allerdings die Verwendung zusätzlicher nicht-hormonaler Verhütungsmethoden unter anderem als Infektionsschutz erlaubt. Frauen mit Salpingitis oder ektopischer Schwangerschaft in der Vorgeschichte, Brusttumoren, Hyperlipoproteinämie, Bluthochdruck u.a. haben nicht teilgenommen.5 Bei übergewichtigen Frauen reicht der Konzeptionsschutz im dritten Jahr möglicherweise nicht aus.7

VERTRÄGLICHKEIT: In den ersten zwei Jahren lässt fast jede dritte Frau das Implantat vorzeitig entfernen, mehr als die Hälfte wegen Blutungsunregelmäßigkeiten und Amenorrhoe.8 Wie bei anderen reinen Gestagen-Präparaten bleibt auch unter IMPLANON die Regelblutung häufig aus (bis 40%) oder wird seltener (bis 30%). Etwa 3% bis 5% der Frauen müssen mit häufigeren (Zwischen-)Blutungen rechnen, bis 10% mit länger als 10 bis 14 Tage andauernder Menstruation. Hämoglobinabfall kommt vor.5 19% klagen über Akne, bis 21% über Kopfschmerzen und bis 10% über Brustschmerzen.9 Weitere häufige Störwirkungen sind Schwindel (bis 8%) sowie Haarausfall, depressive Verstimmungen und Abnahme der Libido (jeweils bis 5%).4,9 Bei jeder fünften Frau steigt der Body-Mass-Index (BMI) um mehr als 10%.5 Insgesamt werden IMPLANON und NORPLANT in etwa gleich vertragen.

Schmerzen an der "Injektionsstelle" treten bei 5% der Anwenderinnen auf,9 Rötung, Schwellung, Quetschung und Hämatombildung kommen vor.4 Nach Implantation ist für 24 Stunden ein Druckverband anzulegen. Mit Komplikationen beim Entfernen (gebrochenes oder eingewachsenes Implantat u.a.) ist bei bis zu 3% zu rechnen.8 Narbenbildung wird beobachtet.4

Die Regelblutung soll sich nach Entnahme des Implantats bei vier von fünf Frauen innerhalb von drei Monaten normalisieren.5 Systematische Untersuchungen zur Schwangerschaftsrate bei Frauen mit Kinderwunsch nach der Anwendung fehlen, ebenso zu Langzeiteffekten wie Leberadenomen, Brust-, Ovarial- oder Uteruskarzinom sowie anderen Organschäden.

KOSTEN: Das Dreijahresimplantat IMPLANON kostet 379 DM (zuzüglich etwa 200 DM für das Einsetzen). Das Levonorgestrel-haltige Intrauterinpessar MIRENA (a-t 1997;Nr. 11: 112) ist mit 355 DM 6% preiswerter und kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Berechnet auf gleiche Anwendungsdauer lassen sich mit der Hormonspirale Schwangerschaften 40% günstiger verhüten (bezogen auf 10 Jahre 1.263 DM versus 709 DM). Zum Vergleich: Für die zehnjährige Einnahme einer preiswerten Levonorgestrel-haltigen Minipille wie 28 MINI ist mit 1.445,60 DM 14% mehr aufzuwenden als für IMPLANON.

FAZIT: Mit IMPLANON hat Nourypharma ein seit fast 20 Jahren bekanntes Prinzip recycelt. Weder das Hormon Etonogestrel, aktiver Metabolit von Desogestrel (in LOVELLE, MARVELON u.a.), ist neu noch die Anwendung als subkutanes Implantat. Mit dem Langzeit-Kontrazeptivum lassen sich Schwangerschaften zuverlässiger verhüten als mit einer ebenfalls nur Gestagen-haltigen Minipille. Das Implantat scheint jedoch deutlich schlechter verträglich zu sein. Direkte Vergleichsstudien fehlen allerdings, ebenso Langzeituntersuchungen.

Frauen, die sich für IMPLANON entscheiden, müssen bedenken, dass sie die Anwendung nicht selbst beenden können, wenn zum Beispiel Störwirkungen auftreten, sondern dazu ärztliche Hilfe benötigen. Wir betrachten das Hormon-Implantat als Reserve für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung, die andere Verhütungsmethoden wie Minipille, Spirale oder Kondom ablehnen.

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