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Nebenwirkungen

AUTOIMMUNERKRANKUNGEN DURCH GENAPOL-HALTIGES INSULIN H-TRONIN

Das Insulin H-TRONIN rechnen wir zu den verzichtbaren Altlasten (a-t 1996; Nr. 3: 26-7). Das für Insulinpumpen verwendete Produkt enthält zur Stabilisierung Genapol (Polyethylen-polypropylenglykol). Dieser Hilfsstoff scheint Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse zu fördern: Grenzwertig oder deutlich erhöhte TSH-Antikörpertiter bei jedem zweiten von 62 Patienten sowie klinisch manifeste Hyperthyreose bei vier dieser Diabetiker sind beschrieben (a-t 1995; Nr. 8: 88). Größere Expositionsfläche - z.B. intraperitoneale Anwendung im Vergleich zu subkutaner - scheint stärkere Antigenität nach sich zu ziehen.

Bei einer Diabetikerin mit bekannter subklinischer Autoimmunthyreoiditis sinken die unter kontinuierlicher subkutaner Infusion von H-TRONIN erhöhten TSH-Spiegel innerhalb weniger Monate in den Normalbereich, nachdem auf Genapol-freies HUMINSULIN umgestellt wurde. Mit Latenz von einigen Monaten steigen die Werte nach erneuter Verwendung von H-TRONIN wieder über die Normgrenze und fallen nach Rückumstellung auf HUMINSULIN erneut ab. Die Autoimmunthyreoiditis ist somit durch Genapol-haltiges Insulin reproduzierbar aktiviert worden.1

Dies ist dem Hersteller Hoechst Marion Roussell seit Jahren bekannt.1 In der Fachinformation findet sich jedoch bis heute kein Hinweis.1,2

FAZIT: Genapol-haltiges Insulin (H-TRONIN) erhöht nicht nur die Insulin-Antikörper-Titer, sondern kann auch autoimmune Schilddrüsenerkrankungen aktivieren. Belege für einen besonderen klinischen Nutzen des Insulinpumpen-Produktes fehlen. Genapol-haltiges H-TRONIN sollte daher unverzüglich vom Markt genommen werden.

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