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Muskelschäden durch Cholesterinsynthese (CSE)-Hemmer: Ein 53-jähriger Schauspieler leidet nach dreijähriger Einnahme von Simvastatin (DENAN u.a.) an intensiven Muskelkrämpfen, die über Monate immer wieder auftreten. Innerhalb eines Tages steigern sie sich und werden in halbminütigem Abstand so stark, als würde "mit der Kreissäge in den Fuß geschnitten". Der hinzugezogene Arzt kann die Krämpfe deutlich sehen, misst erhöhte Kreatinkinase- und Kreatininwerte und setzt den CSE-Hemmer ab, worauf die Symptomatik verschwindet (NETZWERK-Bericht 10.639). In unserem NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION dokumentieren wir zwei weitere Berichte über Muskelkrämpfe in Verbindung mit Simvastatin (6.657, 8.925) und einen unter Cerivastatin (LIPOBAY u.a.; 9.891). Bei jeder vierten der 224 Meldungen zu Statinen werden unerwünschte Wirkungen am Muskel genannt. 35 Patienten klagen über Muskelschmerzen, bei 25 steigt die Kreatinkinase an, zwölfmal wird eine Myopathie diagnostiziert, davon sechsmal speziell die lebensbedrohliche Rhabdomyolyse (Simvastatin 6.962, 9.465, Cerivastatin 9.586, 10.770, Pravastatin [PRAVASIN u.a.] 10.487, Atorvastatin [SORTIS] 10.869, vgl. a-t 1998; Nr. 6: 60). Auch bei der Schweizerischen Arzneimittelnebenwirkungszentrale (SANZ) ist der Muskel bei 25 von 121 ausgewerteten Berichten zu CSE-Hemmern das am häufigsten betroffene Organ (HARTMANN, G. et al.: Schweiz. Ärzteztg. 1999; 80: 2064-6). In 4.883 Spontanberichten an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) werden mit insgesamt 1.009 Nennungen bei etwa jedem fünften Patienten Schäden am Muskel-Skelett-System genannt (BfArM: Schreiben vom 26. Okt. 2000). Das Risiko wird durch Interaktionen verstärkt, beispielsweise mit Fibraten oder Ciclosporin (SANDIMMUN). Die Fachinformationen erwecken den Eindruck, dass es sich um eher seltene Nebenwirkungen handele. Zudem werden Muskelkrämpfe beispielsweise bei LOCOL (Fluvastatin) und LIPOBAY nicht erwähnt.

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