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Vorbeugung gegen Pneumocystis-carinii-Pneumonie - Aussetzen auch bei Sekundärprophylaxe möglich? Seit Einführung der hochaktiven antiretroviralen Kombinationstherapien (HAART) 1995 hat sich die Sterblichkeit HIV-Infizierter in den westlichen Ländern drastisch verringert. In einer US-amerikanischen Untersuchung sind opportunistische Infektionen zwischen 1994 und 1997 um 80% zurückgegangen. Die große Zahl der Tabletten - bis zu 40 pro Tag - gegen HIV und opportunistische Erreger ist jedoch belastend ("pill- burden"). Aus mehreren Beobachtungsstudien lässt sich ableiten, dass bei anhaltender Verbesserung der Abwehr Arzneimittel zur Vorbeugung der Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PCP) abgesetzt werden können, ohne dass das Erkrankungsrisiko steigt (a-t 1999; Nr. 6: 64). Für die Primärprophylaxe wurden diese Ergebnisse in einer kontrollierten Studie bestätigt (MUSSINI, C. et al.: J. Inf. Dis. 2000; 181: 1635-42). Jetzt nehmen an einer größeren randomisierten Studie erstmals auch Patienten teil, die eine Sekundärprophylaxe gegen PCP benötigen. Von 587 Patienten der Studie haben 113 (19%) bereits eine PCP durchgemacht. Die CD4-Zahlen der Teilnehmer betragen seit mehr als zwölf Wochen mindestens 200/µl und die Virus-RNA-Kopien liegen unter 5.000/ml. Während der Nachbeobachtungszeit von mindestens zwölf Monaten wird weder bei fortgeführter noch bei ausgesetzter Vorbeugung eine PCP beobachtet. In einer aktuellen Kohortenstudie mit 325 Patienten werden diese Ergebnisse für die Sekundärprophylaxe bestätigt. Zu beachten ist der gute immunologische Ausgangsstatus der Teilnehmer in beiden Studien. Etwa die Hälfte der Patienten hat CD4-Zahlen von 350/µl oder höher, etwa ebenso viele haben seit mindestens acht Monaten anhaltende Werte über 200/µl. Bei mehr als 80% liegt die Viruslast unter 500 Kopien/ml Plasma. Die meisten nehmen Proteasehemmer ein. Diesen wird eine eigene Aktivität gegen P. carinii zugesprochen. Bei stabiler Wiederherstellung der Immunlage unter HAART scheint es möglich zu sein, auch die Sekundärprophylaxe gegen PCP auszusetzen. Bei Abfall der CD4-Werte unter 200/µl wird jedoch dringend zur Wiederaufnahme geraten (LOPEZ, J.C. et al.: N. Engl. J. Med. 2001; 344: 159-67; LEDERGERBER, B. et al.: N. Engl. J. Med. 2001; 344: 168-74, ati d).

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