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Primärprophylaxe gegen Pneumocystis-carinii-Pneumonie - Aussetzen möglich? Mit der Prophylaxe gegen die Pneumocystis-carinii- Pneumonie (PCP), der häufigsten opportunistischen Infektion bei HIV-Erkrankung (a-t 6 [1993], 59; 8 [1996], 78), gelang es vor zehn Jahren erstmals, die Sterblichkeit der Patienten zu senken. Mittel der Wahl ist Co- trimoxazol (BACTRIM u.a.). Es beugt auch der zerebralen Toxoplasmose vor. Seit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie (a-t 6 [1996], 58) sind opportunistische Infektionen deutlich zurückgegangen. Bei Ansprechen auf die Therapie mit anhaltendem Anstieg der CD-4-Zellen auf über 200/µl kann die PCP-Primärprophylaxe wahrscheinlich gefahrlos abgesetzt werden. In zwei prospektiven Kohortenstudien wird im Verlauf von jeweils knapp 250 Patientenjahren keine PCP nach Stopp der Prophylaxe beobachtet. In der Schweizer Studie haben alle Teilnehmer zum Zeitpunkt des Stopps mindestens 12 Wochen lang anhaltende CD-4-Zahlen über 200/µl, in der europäisch-israelischen Untersuchung (EuroSIDA) liegen sie bei einem Viertel der Patienten sogar darunter. Einige Personen in EuroSIDA (15%) haben bereits eine PCP durchgemacht. Auch hier gelingt das Absetzen, ohne dass es zum Rückfall kommt. Etwa die Hälfte der Patienten in der Schweizer Studie haben IgG-Antikörper gegen Toxoplasma gondii. Hier wie auch in EuroSIDA wird keine Toxoplasmose diagnostiziert. Durch Stopp der PCP-Primärprophylaxe lässt sich nur eine Tablette pro Tag einsparen. Dies mag bei den komplizierten Therapieregimen nicht viel erscheinen. Für die Patienten verdeutlicht es jedoch, dass sich ihre Abwehrfunktion gebessert hat. Unerwünschte Wirkungen (a-t 3 [1996], 29) und potentielle Resistenzen lassen sich ebenfalls vermeiden. Ob bestimmte Risikogruppen von der fortgesetzten Prophylaxe profitieren und ob andere vorbeugende Strategien, z.B. gegen Mycobacterium avium, unter antiretroviraler Behandlung ausgesetzt werden können, bedarf weiterer Klärung (WEVERLING, G. J. et al.: Lancet 353 [1999], 1293; FURRER, H. et al.: N. Engl. J. Med. 340 [1999], 1301; MASUR, H., J. KAPLAN: N. Engl. J. Med. 340 [1999], 1356).


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