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Vorsicht: "Pillen"-Versager durch Johanniskraut: Eine 39-jährige Frau nimmt vorübergehend ein Johanniskraut- (Hypericum)-Präparat (JARSIN u.a.) ein. In diesem Zeitraum wird sie trotz regelmäßiger Einnahme der Levonorgestrel-haltigen Minipille MIKRO-30 ungewollt schwanger (NETZWERK-Bericht 11.140). Bestandteile des als Antidepressivum angebotenen Johanniskrautextraktes wirken als Induktor des Zytochrom-P-450-Enzymsystems und senken die Plasmaspiegel verschiedener Arzneimittel, darunter auch orale Kontrazeptiva. Dies dürfte insbesondere für die Minipille mit ohnehin anfälligem Empfängnisschutz (Versagerrate bei optimaler Anwendung pro Jahr 0,5%) Bedeutung haben. Die Interaktion kann aber auch die Wirksamkeit kombinierter Kontrazeptiva beeinträchtigen. Durchbruchblutungen sind beschrieben (ERNT, E.: Lancet 1999; 354: 2014-6). Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegt ein Bericht über ungewollte Schwangerschaft trotz Kontrazeption mit einer "Pille" der zweiten Generation unter Johanniskraut vor (BfArM: Schreiben vom 27. Febr. 2001). Wegen zum Teil bedrohlicher Wechselwirkungen mit Wirkstoffen wie Indinavir (CRIXIVAN), Ciclosporin A (SANDIMMUN), Digoxin (LANICOR u.a., vgl. a-t 2000; 31: 15, 31) u.a. hat das BfArM bereits vor einem Jahr ein Stufenplanverfahren eingeleitet. Das Amt wird in Kürze für Präparate ab 5 mg Hypericum-Droge neue Hinweise zu Gegenanzeigen (darunter orale Kontrazeptiva) und Interaktionen sowie Warnhinweise anordnen (BfArM: Schreiben vom 1. März 2001). Die Produktinformationen geben bisher den Stand der Kenntnis überwiegend unzureichend wieder.

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