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Nebenwirkungen

LEBENSBEDROHLICHE LEBERSCHÄDEN UNTER LEFLUNOMID (ARAVA)

Der Arzneispezialitätenausschuss CPMP der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA warnt vor schweren Leberschäden nach Einnahme des Immunsuppressivums Leflunomid (ARAVA), einem Basistherapeutikum der Reserve bei rheumatoider Arthritis (a-t 1999; Nr. 12: 124-5). Insgesamt 296 Berichte über Leberschäden werden derzeit mit Leflunomid in Verbindung gebracht. Dies entspricht - ohne Berechnung einer Dunkelziffer - einer Leberkomplikation pro 350 Patientenjahre. 129 Leberschäden werden als schwerwiegend beurteilt, darunter Leberversagen (n = 15) und Leberzirrhose (2). Neun Patienten versterben.1 Diese konkreten Angaben fehlen in dem Ärzte-Rundschreiben2 der Firma. Die Schädigung setzt innerhalb von sechs Monaten nach Therapiebeginn ein.1

Leflunomid ist bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen kontraindiziert. Vorsichtsmaßnahmen wie die vorgeschriebenen Kontrollen der Leberfunktion werden offenbar unzureichend beachtet. Die Leberwerte (SGPT) sind jetzt in den ersten sechs Einnahmemonaten mindestens alle vier Wochen zu kontrollieren.

Der Hinweis in der Fachinformation, dass wegen möglicher Hepato- oder Hämatotoxizität die gleichzeitige Anwendung von Leflunomid und Mitteln wie Methotrexat (LANTAREL u.a.) "nicht empfehlenswert" sei,1,3 erscheint uns zu unverbindlich: Drei von vier Patienten mit schwerer Leberschädigung unter Leflunomid hatten gleichzeitig andere potenziell leberschädigende Mittel wie Methotrexat erhalten.

Ob die jetzt empfohlenen häufigeren Kontrollen der Leberwerte das Risiko schwerer Schäden unter Leflunomid (ARAVA) tatsächlich verringern, erscheint fraglich. Wegen der langen Halbwertszeit des aktiven Metaboliten von ein bis vier Wochen können Nebenwirkungen sogar noch nach Absetzen auftreten. Angesichts der Bedrohlichkeit der Schädigung verbietet sich unseres Erachtens die Kombination mit anderen lebertoxischen Basistherapeutika wie Methotrexat. Wie den Tumornekrosefaktor-Hemmstoff Etanercept (ENBREL, a-t 2000; 31: 108) stufen wir Leflunomid als letztes Mittel der Reserve bei rheumatoider Arthritis ein, dessen Stellenwert erneut zu überprüfen ist.

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