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a-t-aktuell


MALARIAPROPHYLAXE 2001

Gebiete, in denen Malaria nicht oder nicht mehr vorkommt
Gebiete mit sehr beschränktem Malaria-risiko; Malariaübertragung selten
Gebiete mit Malariaübertragung
Einteilung in Zonen mit unterschied-
licher medikamentöser Chemopro-
phylaxe gemäß Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropen-
medizin und Internationale Gesund-
heit.7 Angepasst nach: WHO "International Travel and Health 2001", Seite 68-9 und "Schweizer Arbeitsgruppe Reisemedizin"
(SAR).
Übrige
Malaria-
gebiete
Mückenschutz empfohlen
(minimales Risiko, siehe Länderliste)

VERBREITUNG, RESISTENZSITUATION (vgl. Tab. 2)5,7: Nordafrika ist malariafrei (Tunesien) oder nur gering betroffen. In der Regel werden keine Malariamedikamente benötigt. Ganz anders südlich der Sahara: Die meisten nach Deutschland eingeschleppten Malariaerkrankungen werden im tropischen Afrika erworben (80%), vor allem in Kenia, Ghana, Gambia, Nigeria und Kamerun. Überwiegend (87%) handelt es sich dabei um die lebensbedrohliche Malaria tropica (P. falciparum). 19 von 20 der im Jahr 1999 in Deutschland an Malaria Verstorbenen waren Afrika-Reisende, 11 davon Keniabesucher.1 Im tropischen Afrika bis zum Norden von Namibia, Botswana, der Republik Südafrika sowie in Madagaskar ist daher neben konsequentem Expositionsschutz unbedingt eine kontinuierliche Chemoprophylaxe erforderlich - meist mit Mefloquin (LARIAM). Resistenzen gegen Chloroquin (RESOCHIN u.a.) sind verbreitet.

Naher und mittlerer Osten: In Ländern, die an das Mittelmeer grenzen, besteht keine Malariagefährdung bzw. nur ein geringes Risiko (Syrien, Türkei). In der Regel ist daher kein Medikament erforderlich. Auf der arabischen Halbinsel reicht Mefloquin Stand-by.

Indischer Subkontinent: Meist überwiegt die gutartige P. vivax-Malaria. Chloroquin- und FANSIDAR-Resistenzen kommen jedoch vor. Vor allem in Indien kann die Chemoprophylaxe mit Chloroquin plus Proguanil (PALUDRINE) erforderlich sein, sonst reicht überwiegend Mefloquin Stand-by.

Südostasien: Hier ist die Gefährdung insgesamt geringer als in Afrika. Multiresistenzen sind jedoch verbreitet. Konsequenter Schutz vor Mückenstichen hat daher besondere Bedeutung. In den Haupttouristengebieten Thailands einschließlich Bangkok, Pattaya und Phuket sind Malariamedikamente entbehrlich. In Indonesien können auf Bali und Java konsequenter Mückenschutz und Mitnahme einer Stand-by-Medikation ausreichen. In China kommen Touristen überwiegend ohne Malariaprophylaxe aus.

Ozeanien: 30 von 1.000 Reisenden aus deutschsprachigen Ländern infizieren sich innerhalb von vier Wochen auf den Salomon-Inseln und in Papua-Neuguinea mit Malaria - und damit prozentual mehr als im tropischen Afrika (12-24 pro 1.000).22 Kontinuierliche Prophylaxe mit Mefloquin ist daher erforderlich.

Mittel- und Südamerika: In Mittelamerika ist die Gefährdung durch Malaria gering. Chloroquin-Resistenz gibt es nur in Panama. Die Hauptstädte sind fast alle malariafrei. In Südamerika ist das Risiko in Gebieten entlang der Pazifikküste relativ gering (Chile keine Malaria, aber an der kolumbianischen Küste auch Chloroquin-Resistenzen; a-t 1998; Nr. 10: 91). Vor allem im Amazonasbecken und in den Zuflussgebieten ist mit mehrfach resistenten Plasmodien zu rechnen. In den Provinzen Rondonia, Acre und Roraima wird Prophylaxe mit Mefloquin empfohlen.

Karibik: Außer Haiti und der Dominikanischen Republik (1999 ein Todesfall nach Rückkehr; DTG empfiehlt Chlorquin Stand-by) sind die Inseln malariafrei.

Malariafrei: Australien, Bahamas, Chile, Hawaii, Israel, Jamaica, Japan, Kanada, Kuba, Lesotho, Libanon, Malediven, Seychellen, Singapur, Tunesien, USA u.a.

Literaturangaben siehe Seite 68

Tabelle 2: Empfehlungen zur Malariaprophylaxe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) im Vergleich. Hinweise zur jahreszeitlichen und regionalen Gefährdung, Häufigkeit des Malaria-tropica-Erregers Plasmodium falciparum und zur Resistenzsituation.

Die Tabelle gibt einen Überblick. Abhängig vom Reisestil (Hotel- oder Rucksacktourist), Aufenthalt nur in Stadtgebieten, Resistenzsituation und Malariahäufigkeit im bereisten Gebiet, Dauer der Reise, Jahreszeit, persönlichen Faktoren und Gegenanzeigen, aktuellen Entwicklungen u.a. kann bzw. muss gegebenenfalls von den Prophylaxevorschlägen abgewichen werden.

*

Abkürzungen: AL = Artemether-Lumefantrin (RIAMET), AP = Atovaquon-Proguanil (MALARONE), AP/AL = AP oder AL, C = Chloroquin (RESOCHIN u.a.), C/C+P = C oder C+P, C+P = Chloroquin + Proguanil (PALUDRINE), D = Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.), M = Mefloquin (LARIAM), Q = Chinin; SP = Sulfadoxin-Pyrimethamin (FANSIDAR);

Pr = prophylaktische Einnahme, Sb = Stand-by-Therapie (notfallmäßige Selbstbehandlung); Pr/Sb = Pr oder Sb;

WHO = World Health Organization; DTG = Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.

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Kein Risiko in der Hauptstadt
Geringes Risiko in Nairobi und über 2.500 m
Im Norden sowie im Süden (Provinz Basrah)
Nur im äußersten Norden sehr begrenztes Risiko
Keine Malaria in Mekka und Medina
Keine Malaria in den Haupttouristenzentren im Westen und Südwesten
Plus Mefloquin-Stand-by
Keine Erkrankungen mehr seit 1998 gemeldet
Auf Hainan und in Yunnan
Keine Malaria in großen Städten und Touristenzentren von Bali und Java
Keine Malaria in Städten und Küstengebieten, außer Sabah
Keine Malaria in Bohol, Catanduanes, Cebu
Keine Malaria in Städten und Touristenzentren wie Bangkok, Chiangmai, Pattaya, Phuket, Samui
Keine Malaria in Städten, im Delta des Roten Flusses, in der Küstenebene nördlich von Nha Trang
P. falciparum nur in nördlichen Provinzen
Ostküste ohne Malaria, hohes Risiko in Acre, Rondonia, Roraima
Multiresistenz in Gebieten mit brasilianischen Einwanderern
Keine Malaria in Panama-City, Colón und in der Kanalzone


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