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Lyme-Borreliose - verlängerte antibiotische Therapie ohne Vorteil: Die Borreliose lässt sich im frühen Stadium und auch noch bei Zeichen der Generalisierung gut antibakteriell behandeln (a-t 1997; Nr. 6: 62-4). Dennoch können noch Jahre nach der akuten Infektion und unabhängig vom Antikörperstatus chronische Beschwerden bestehen: Arthralgien oder neurologische und kardiale Symptome, oft verbunden mit anhaltender Müdigkeit. Die Ursachen sind unklar. In zwei plazebokontrollierten Studien wird jetzt erstmals der Nutzen einer über die üblichen zwei bis drei Wochen hinaus verlängerten Behandlung mit Antibiotika geprüft. 78 seropositive und 51 seronegative Patienten erhalten nach gesicherter Borreliose eine verlängerte Therapie: 30 Tage Ceftriaxon (ROCEPHIN) 2 g/Tag, danach 60 Tage lang 200 mg Doxycyclin (AZUDOXAT u.a.)/Tag. Die Betroffenen leiden an chronischen Schmerzen, Dysästhesien oder kognitiven Beeinträchtigungen mit oder ohne begleitende Erschöpfung. Als primäres Zielkriterium wird der Verlauf der"gesundheitsbezogenen Lebensqualität" an Hand eines standardisierten Fragebogens gemessen. Bei einer Zwischenanalyse der Daten von 107 Patienten (83%) über die volle Beobachtungszeit von 180 Tagen findet sich kein signifikanter Vorteil für die verlängerte antibiotische Behandlung. Bei zwei Patienten der Verumgruppe sind jedoch schwere unerwünschte Ereignisse dokumentiert: Lungenembolie und gastrointestinale Blutung (KLEMPNER, M.S. et al.: N. Engl. J. Med. vom 12. Juni 2001; vorabveröff. in http://www.nejm.org). Da es unwahrscheinlich ist, dass die Ergebnisse bei Fortführung der Untersuchung positiv werden, wurde die Studie abgebrochen. Bei keinem der Patienten deuten bakteriologische Untersuchungen auf eine anhaltende Infektion. Dies macht den kausalen Ansatz der antibakteriellen Therapie fragwürdig. Auch andere Antibiotika versprechen keinen Erfolg.

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