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todesfälle nach impfung gegen gelbfieber
 
TODESFÄLLE NACH IMPFUNG GEGEN GELBFIEBER

Gelbfieber wird von Stechmücken der Gattungen Aedes und Haemagogus übertragen und kommt endemisch in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas und Südamerikas vor. Die Infektion verläuft bei 10% bis 20% der Infizierten tödlich, bei Erkrankung mit toxischer Phase (15% der Infizierten) zu 50%. Charakteristisch sind hohes Fieber, Gelbsucht, Nierenversagen, Multiorganversagen, Blutungen und hypovolämischer Schock. Ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren des Stammes 17D (STAMARYL u.a.) steht zur Verfügung. Die Impfung darf nur in dafür autorisierten Gelbfieber-Impfstellen vorgenommen werden. Zahlreiche Länder Afrikas und Südamerikas verlangen bei der Einreise entweder generell oder bei Reisenden aus Endemiegebieten eine Impfbescheinigung.

Die Vakzine wird als "gut verträglich" (1) bezeichnet. Allerdings ist innerhalb von ein bis zwei Wochen nach der Injektion zu 10% mit Fieber oder Unwohlsein zu rechnen, bei 2% bis 5% mit Muskelschmerzen und Kopfschmerzen (2) (grippeähnliches Syndrom). Jetzt kommen Zweifel an der Sicherheit der Impfung auf. Im morgigen Lancet werden aus Brasilien, Australien und den USA sieben schwere Erkrankungen nach Gelbfieber-Impfung beschrieben, von denen sechs tödlich verlaufen (3-5). Zwei bis fünf Tage nach der Impfung setzt Fieber ein. Einem unspezifischen fieberhaften Syndrom folgt zum Teil eine Multiorgan-Erkrankung mit Funktionsstörungen von Leber, Nieren, Lungen und zentralem Nervensystem. Der Symptomkomplex ähnelt zum einem der natürlich erworbenen Gelbfieber-Erkrankung, zum anderen wird er als neues postvakzinales Syndrom interpretiert (4,6). Bei mehreren Impflingen finden sich Impfstoff-verwandte Varianten des Gelbfieber-Virus in Körperflüssigkeiten und -geweben (3-5). Sechs der sieben Betroffenen versterben innerhalb von 8 bis 30 Tagen nach der Impfung an Versagen der Nieren und anderer Organe.

In Deutschland wurde 1999 eine tödlich verlaufende Gelbfieber-Erkrankung bekannt, die einen Nichtgeimpften betraf, der die Elfenbeinküste bereist hatte (1). Basismaßnahmen zur Malaria-Prophylaxe (bedeckende Kleidung, Verwendung von Repellentien, Moskitonetzen u.a.; a-t 2001; 32: 65-71) verringern zwar auch das Risiko einer Gelbfieber-Infektion, doch sind Aedes-Mücken im Gegensatz zur Anopheles-Mücke auch tagaktiv. Angesichts der Verbreitung von Gelbfieber mit jährlich 200.000 Erkrankungen und 30.000 Toten in der einheimischen Bevölkerung von Endemiegebieten erscheint die Impfung nach wie vor angebracht, sofern tatsächlich Endemiegebiete bereist werden. Die tatsächliche regionale Verbreitung des Gelbfiebers im Reiseziel sollte bei den Einreisebestimmungen der Länder berücksichtigt werden.

Die Häufung der Todesfälle wirft Fragen auf. Der Herstellungsprozess wurde anscheinend nicht verändert. Klärungsbedarf besteht, ob die Lebendvakzine zuverlässig abgeschwächt wird, wie sich die Impfviren nach der Impfung im Körper bzw. in Körperorganen absiedeln und verbreiten und welche Risikofaktoren die Unverträglichkeit der Impfung begünstigen (6, ati d).

1

Epid. Bull. 2001; Nr. 47: 195-7

2

HEBEL, S. K. et al. (Hrsg.): "Drug Facts and Comparisons", St. Louis (USA), Januar 2000, Seite 1528-9

3

VASCONCELOS, P.F.C. et al.: Lancet 2001; 358: 91-7

4

MARTIN, M. et al.: Lancet 2001; 358: 98-104

5

CHAN, R.C. et al.: Lancet 2001; 358: 121-2

6

MARIANNEAU, P. et al.: Lancet 2001; 358: 84-5

© Redaktion arznei-telegramm
blitz-a-t 13. Juli 2001

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