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Dexamethason (FORTECORTIN u.a.) bei bakterieller Meningitis Erwachsener: Nach tierexperimentellen Befunden ruft eine durch Antibiose induzierte Bakterienlyse Entzündungsreaktionen im Subarachnoidalraum hervor. Dies gilt als mögliches Erklärungsmodell für die hohe Rate von Folgeschäden nach antibiotisch behandelter Meningitis durch Pneumokokken u.a. Nach einer Metaanalyse von 16 Studien mit Kindern wirkt sich Dexamethason günstig auf Hörschäden infolge antibiotisch behandelter Meningitiden aus, die durch Haemophilus influenzae Typ b oder Pneumokokken verursacht sind (McINTYRE, P.B. et al.: JAMA 1997; 278: 925-31). Jetzt wird der Nutzen von Dexamethason in einer prospektiven randomisierten Doppelblindstudie an 300 Erwachsenen mit Meningitis untersucht. Hierzu werden 10 mg Dexamethason 15 bis 20 Minuten vor oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikadosis und dann vier Tage lang alle sechs Stunden intravenös gegeben. Primärer Endpunkt ist der klinische Zustand nach acht Wochen gemäß einer fünfstufigen Skala (Glasgow Outcome Scale; 5 = günstiges Ergebnis: geringe bis keine Behinderung; 4 bis 1 = ungünstige Ergebnisse zwischen mäßiggradiger Behinderung und Tod). 15% der Patienten haben unter Dexamethason ungünstige Ergebnisse im Vergleich zu 25% unter Plazebo (Number Needed to Treat [NNT] = 10). Bei Meningitis durch Pneumokokken haben 26% unter Dexamethason ein ungünstiges Resultat, unter Plazebo 52% (NNT = 4). Todesfälle sind in der Kortikoidgruppe seltener als unter Scheinmedikament (7% versus 15%; NNT = 13), am deutlichsten in der Subgruppe mit Pneumokokken-Meningitis (14% vs. 34%; NNT = 5). Auf die Häufigkeit neurologischer Folgeerkrankungen einschließlich Hörschäden hat Dexamethason keinen signifikanten Einfluss. Bei Patienten mit eingangs mittelgradig bis schwerer Meningitis-Symptomatik (Glasgow Coma Scale 8 bis 11) ist der Nutzen von Dexamethason am ausgeprägtesten. Die Autoren empfehlen, allen Patienten mit akuter bakterieller Meningitis im Erwachsenenalter frühzeitig Dexamethason zu geben, spätestens ab der ersten Antibiotikadosis. Sollte allerdings bei Penizillin- und Cephalosporin- resistenten Pneumokokken mit Vancomycin (VANCOMYCIN CP LILLY u.a.) behandelt werden müssen, ist der Therapieerfolg sorgfältig zu überwachen. Bei Erwachsenen ist unter der Kombination von Vancomycin und Dexamethason Therapieversagen beschrieben. Nach experimentellen Daten verringert Dexamethason die Vancomycin-Konzentration in der Zerebrospinalflüssigkeit, indem es die infolge Entzündung durchlässigere Blut-Hirn- Schranke "abdichtet" (DE GANS, J. et al.: N. Engl. J. Med. 2002; 347: 1549-56; TUNKEL, A.R., SCHELD, W.M.: N. Engl. J. Med. 2002; 347: 1613-5).

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