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Kurz und bündig

Pravastatin (MEVALOTIN, PRAVASIN) bei Älteren mit vaskulärem Risiko: Kurz nachdem durch die Heart Protection Study (HPS) erstmals der klinische Nutzen eines Statins auch für über 70-Jährige belegt wurde (a-t 2002; 33: 83-4), erscheint jetzt eine plazebokontrollierte Studie mit Pravastatin (MEVALOTIN, PRAVASIN), die ausschließlich auf die Altersgruppe der 70- bis 82-Jährigen zielt (PROSPER*). Die teilnehmenden 3.000 Frauen und 2.804 Männer haben eingangs ein Gesamtcholesterin von 4 mmol/l bis 9 mmol/l (155 mg/dl bis 348 mg/dl) und entweder eine koronare, zerebrale oder periphere Gefäßerkrankung in der Vorgeschichte (44%) oder ein erhöhtes vaskuläres Risiko wegen arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus oder als Raucher. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit ist mit 3,2 Jahren kürzer als die der bisherigen Endpunktstudien, die in der Sekundärprävention mindestens 5 Jahre dauerten (vgl. a-t 2000; 31: 102-3). Leider geht aus den Daten nicht klar hervor, wie vollständig die Nachbeobachtung ist. Täglich 40 mg Pravastatin senken die Häufigkeit tödlicher und nicht tödlicher Herzinfarkte und Schlaganfälle von 16,2% auf 14,1% (NNT = 48). Der Nutzen beruht ausschließlich auf dem günstigen Effekt auf kardiale Ereignisse (12,2% vs. 10,1%; NNT = 48). Im Unterschied zur HPS werden Schlaganfälle nicht beeinflusst (4,5% vs. 4,7%). Es besteht allerdings ein Trend zur Abnahme transitorischer ischämischer Attacken. Auch hinsichtlich Gesamtsterblichkeit ergibt sich kein Unterschied (10,5% vs. 10,3%). Ein signifikanter Nutzen lässt sich zudem nur in der prädefinierten Subgruppe der Patienten mit manifester Gefäßerkrankung in der Vorgeschichte (Sekundärpräventionsgruppe) sowie in der Subgruppe der Männer erkennen. Eine Erklärung für den ausbleibenden Effekt bei Frauen - der im Widerspruch steht zum Ergebnis der HPS - bieten die Daten nicht. Die Einnahme des Statins geht in der PROSPER-Studie signifikant häufiger mit Krebsdiagnosen einher (8,5% vs. 6,8%, NNH = 59), bei einem Trend zu erhöhter Krebssterblichkeit. Auch in der LIPID**-Studie soll sich in einer Nachauswertung bei über 65-Jährigen ein Trend zu mehr Karzinomen unter dem Statin ergeben haben, nicht dagegen in der HPS. Nach einer in die PROSPER-Studie aufgenommenen Metaanalyse der Krebshäufigkeit in allen Langzeitinterventionsstudien mit CSE-Hemmern lässt sich insgesamt kein negativer Effekt belegen (SHEPHERD, J. et al.: Lancet 2002; 360: 1623-30; COLLINS, R., ARMITAGE, J.: Lancet 2002; 360: 1618-9). Die PROSPER-Studie bestätigt den klinischen Nutzen von Pravastatin auch für über 70-Jährige mit atherosklerotischen Gefäßerkrankungen. Die Studie bekräftigt zudem die Vorbehalte gegenüber dem Nutzen der Statintherapie, wenn keine Gefäßerkrankung vorliegt (a-t 2002; 33: 76). Ob die höhere Krebsinzidenz einen kausalen Zusammenhang anzeigt oder einen Zufallsbefund darstellt, bleibt derzeit offen, -Red.

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