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Herpes genitalis - antivirale Dauertherapie vermindert die Infektionsrate: Herpes genitalis wird zu etwa 80% durch Herpes-simplex-Virus-2 (HSV- 2), zu 20% durch HSV-1 ausgelöst. Nur 20% bis 30% der Infizierten entwickeln Beschwerden. Die Erkrankung verläuft jedoch chronisch mit zum Teil häufigen symptomatischen Rezidiven. Bei Krankheitsverläufen mit mehr als 5 Rezidiven pro Jahr senkt eine virustatische Dauerbehandlung mit Aciclovir (ZOVIRAX u.a.), Valaciclovir (VALTREX) oder Famciclovir (FAMVIR) die Rezidivhäufigkeit um 70% bis 80%. Unklar ist jedoch, ob auch die Verbreitung gehemmt wird, da selbst unter antiviraler Therapie in symptomfreien Phasen im anogenitalen Bereich Erreger nachweisbar sein können. Dieser Fragestellung wird jetzt in einer amerikanischen randomisierten, kontrollierten Studie nachgegangen, an der 1.484 heterosexuelle, monogam lebende Paare teilnehmen, bei denen einer der Partner an symptomatischer, serologisch nachgewiesener HSV-2-Infektion erkrankt ist. Die infizierten Partner nehmen acht Monate lang verblindet täglich entweder 500 mg Valaciclovir oder Plazebo ein. Kondome werden allen Paaren kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der primäre Endpunkt, die symptomatische, im Labor bestätigte HSV-2-Infektion des bis dahin gesunden Lebenspartners, wird bei 2,2% unter Plazebo und bei 0,5% unter Valaciclovir festgestellt (absolute Risikoreduktion [ARR] 1,7%; p = 0,008). Demnach müssen etwa 59 Patienten acht Monate lang behandelt werden, um eine symptomatische Infektion zu verhindern. Den größten Nutzen der Dauerbehandlung haben die infizierten Studienteilnehmer selbst: Die Rate symptomatischer Rezidive sinkt bei ihnen von 77,3% auf 38,8% (COREY, L. et al.: N. Engl. J. Med. 2004; 350: 11-20). Praktische Konsequenzen haben die Studienergebnisse derzeit nicht. In den USA ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Daten die Zulassung von Valaciclovir auf die Behandlung bzw. Suppression (Rezidivprophylaxe) von Herpes genitalis beschränkt. Infektionsverhütung beim Partner stellt keine eigene Indikation dar. Valaciclovir ist ein Prodrug und wirkt über den Hauptmetaboliten Aciclovir. Daher dürften sich ähnliche Ergebnisse auch mit Aciclovir erreichen lassen. In der Rezidivprophylaxe wirken beide Wirkstoffe gleich, Langzeitdaten liegen jedoch vor allem für Aciclovir vor. Die antivirale Rezidivprophylaxe (z.B. Aciclovir 2 x 400 mg/Tag) wird derzeit bei häufigen Rückfällen empfohlen. Die optimale Dauer ist jedoch unklar. In europäischen Leitlinien wird zu einem versuchsweisen Absetzen nach einem Jahr geraten, da die Rezidivneigung mit der Zeit abnimmt (PATEL, R. et al.: Int. J. STD AIDS 2001; 12 Suppl 3: 34-9). Ob eine gegen HSV-2 gerichtete virustatische Dauertherapie auch die Ansteckungsrate für HIV beeinflusst, wie in einem Editorial diskutiert wird, muss durch Interventionsstudien belegt werden. Eine entsprechende Studie mit Aciclovir in Ländern der Dritten Welt ist geplant (CRUMPACKER, C.S.: N. Engl. J. Med. 2004; 350: 67-8).

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