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Bronchopulmonale Dysplasie nach Frühgeburt - Dexamethason (FORTECORTIN u.a.) mit Spätfolgen: Bis zu 30% der Frühgeborenen mit sehr geringem Geburtsgewicht entwickeln eine chronische Lungenschädigung, die so genannte bronchopulmonale Dysplasie (BPD), die wesentlich zu Morbidität und Mortalität der Kinder beiträgt. Da entzündliche Prozesse in der Entstehung eine Rolle spielen, werden zur Prävention oder Therapie seit Jahren systemische Glukokortikoide verwendet, in erster Linie Dexamethason (FORTECORTIN u.a.). Nach Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien mindert intravenöses Dexamethason die Inzidenz der BPD und erleichtert die Entwöhnung von der mechanischen Beatmung, senkt aber nicht die Sterblichkeit. Die Therapie geht insbesondere bei Beginn innerhalb der ersten 96 Stunden nach der Geburt mit schweren unerwünschten Wirkungen einher, darunter gastrointestinale Blutungen und Perforationen oder hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie. Im Kleinkind- und Vorschulalter fällt bei Nachbeobachtungen ein erhöhtes Risiko neurologischer Spätschäden auf. Insbesondere die infantile Zerebralparese kommt nach Kortikosteroidanwendung häufiger vor (American Academy of Pediatrics, Canadian Paediatric Society: Pediatrics 2002; 109: 330-8; ati d). Eine Arbeitsgruppe aus Taiwan legt jetzt die Nachbeobachtung von 146 durchschnittlich achtjährigen Schulkindern vor, die als Frühgeborene in eine randomisierte plazebokontrollierte Studie zum Nutzen von Dexamethason aufgenommen wurden. Die intravenöse Therapie hatte innerhalb der ersten zwölf Stunden nach der Geburt begonnen. Von den ursprünglich aufgenommenen 132 Kindern der Dexamethason-Gruppe sind 44 (33%) während der initialen Studienperiode verstorben und 9 (7%) weitere vor Erreichen des Schulalters, unter Plazebo sind dies 39 (30%) bzw. 11 (8%) von vormals 130. 13 Kinder sind nicht auffindbar, oder es fehlt das Einverständnis zur Teilnahme an der Nachuntersuchung. Die 72 nachbeobachteten Kinder der Dexamethason-Gruppe sind signifikant kleiner als die 74 Kinder der Plazebogruppe. Die durchschnittliche Differenz beträgt 3,5 cm. Der Kopfumfang ist ebenfalls deutlich geringer. Motorische Fähigkeiten wie manuelle Geschicklichkeit oder Balance, Wahrnehmungsfähigkeit und kognitive Funktion (Intelligenzquotient) der mit Verum behandelten Kinder sind signifikant schlechter. Klinisch relevante Behinderungen kommen hier deutlich häufiger vor als in der Kontrollgruppe (39% vs. 22%; YEH, T.F. et al.: N. Engl. J. Med. 2004; 350: 1304-13). Die Ergebnisse stützen die restriktiven Empfehlungen in internationalen Leitlinien: Kortikosteroide sollen danach bei Frühgeborenen nur noch im Ausnahmefall, zum Beispiel bei maximaler mechanischer Beatmung, verwendet werden, -Red.

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