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Cimicifuga - Komitee Naturmedizin verdreht Warnung zur Entwarnung: Das Komitee Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) will die "wissenschaftliche Begründung naturmedizinischer Verfahren der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen" (http://www.phytotherapie-komitee.de ( Organisation). Im Kuratorium des Vereins finden sich nach Eigenangaben "die führenden deutschen Naturheilmittelhersteller". In a-t 2006; 37: 75 warnten wir vor Leberschäden durch Cimicifugaextrakte (REMIFEMIN u.a.) und bezogen uns dabei unter anderem auf eine Mitteilung der europäischen Behörde EMEA. Die kurz darauf erschienene Pressemitteilung des KFN vom 31. Juli 2006 "Leberschäden durch Cimicifuga-Präparate? Europäische Arzneibehörde gibt Entwarnung" erschien uns daher nicht nachvollziehbar. Die vom KFN auf Anfrage überlassene Quelle erweist sich als dieselbe, die unserer Warnung zu Grunde liegt. Darin folgert die EMEA: "Zusammenfassend ist die Verbindung von Kräuterarzneimitteln mit Cimicifugae racemosae rhizoma (Traubensilberkerze) und Hepatotoxizität als Signal zu interpretieren. Das Phytopharmaka-Komitee der EMEA will die Öffentlichkeit auf potenziell schwerwiegende Leberreaktionen aufmerksam machen, die bei Patienten auftreten können, die Kräuterarzneimittel mit Cimicifugae racemosae rhizoma verwenden" (Committee on Herbal Medicinal Products [HMPC], annex 1: Assessment of Case Reports Connected to Herbal Medicinal Products Containing Cimicifugae Racemosae Rhizoma [Black Cohosh, Root], 18 July 2006). Auch die australische und aktuell die kanadische Behörde raten Verbrauchern zur Vorsicht mit Cimicifuga-Produkten (Health Canada: Advisory, Aug. 18 2006). Die "Entwarnung" des KFN entpuppt sich somit als klassische Desinformation von Marktbeteiligten unter dem Deckmantel eines Vereins. Dessen Vorsitzender M. POPP leitet im Übrigen die Bionorica GmbH, die unter anderem das Cimicifuga-haltige KLIMADYNON vertreibt, -Red.

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