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Kurz und bündig

Blutzuckerselbstkontrolle bei Diabetes mellitus Typ 2

Der Nutzen einer Blutzuckerselbstkontrolle beim nicht mit Insulin behandelten Typ-2-Diabetes wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Frage wird jetzt erneut in einer randomisierten Studie an 184 unter 70 Jahre alten Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes geprüft. Die Patienten in der Interventionsgruppe bestimmen viermal in der Woche ihren Nüchtern- und postprandialen Blutzucker und lernen, wie sie auf zu hohe oder zu niedrige Werte mit Diätmaßnahmen und/oder körperlicher Belastung adäquat reagieren. Die andere Patientengruppe bekommt die Anweisung, keine Selbstkontrollen des Blutzuckers durchzuführen. Beide Gruppen werden ansonsten in gleicher Weise geschult und bei HbA1c-Werten über 7,5% nach gleichem Regime diätetisch und medikamentös behandelt. Die HbA1c-Werte werden alle drei Monate überprüft. Die Power der Studie reicht aus, um einen Unterschied im HbA1c-Wert von 1% zwischen den Gruppen zu erkennen. Mit Hilfe von Scores werden auch Therapiezufriedenheit und Wohlbefinden geprüft. Bei Ausgangswerten in der Gruppe mit Selbstkontrolle von 8,8% und in der Vergleichsgruppe von 8,6% liegen die HbA1c-Werte in beiden Gruppen nach zwölf Monaten bei 6,9%. Die Rate der Hypoglykämien, der Body-Mass-Index und der Gebrauch oraler Antidiabetika unterscheiden sich ebenfalls nicht. In Subskalen zum Wohlbefinden weisen die Patienten mit Selbstkontrolle aber signifikant häufiger depressive Verstimmungen (p = 0,011) und im Trend eine größere Ängstlichkeit auf (p = 0,07; O'KANE, M.J. et al.: BMJ 2008; 336: 1174-7). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine 2007 publizierte randomisierte Studie, an der 453 Patienten mit Typ-2-Diabetes teilnehmen, deren Erkrankung seit durchschnittlich drei Jahren bekannt ist. Eine Blutzuckerselbstkontrolle mit strukturiertem Training, die Ergebnisse selbst zu interpretieren und ggf. in Änderungen der Therapieführung (Diät, körperliche Aktivität, korrekte Einnahme der Medikamente) umzusetzen, bleibt nach zwölf Monaten gegenüber einer Vergleichsgruppe ohne Blutzuckerselbstkontrolle ohne signifikanten Einfluss auf das HbA1c (HbA1c -0,17%; p = 0,12; FARMER, A. et al.: BMJ 2007; 335: 132-9). Eine aktuelle Nachauswertung dieser britischen Untersuchung zeigt zudem, dass Blutzuckerselbstkontrollen mit entsprechendem Trainingsprogramm die Behandlungskosten erhöhen und zumindest anfangs die Lebensqualität einschränken, weil sie häufiger zu Ängstlichkeit und depressiver Verstimmung führen (SIMON, J. et al.: BMJ 2008; 336: 1177-80). Die Ergebnisse stehen im Einklang mit Metaanalysen früherer randomisierter Studien zum Stellenwert der Blutzuckerselbstkontrolle beim Diabetes mellitus Typ 2 ohne Insulintherapie. Unter den Aspekten von Patientenwohl und Kosten stellt der Autor eines begleitenden Editorials die Vertretbarkeit der Blutzuckerselbstkontrollen bei diesen Patienten zu Recht in Frage (GULLIFORD, M.: BMJ 2008; 336: 1139-40; ati/d).

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 4. Juli 2008

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