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ANGIOTENSIN-II-ANTAGONISTEN UND KREBSRISIKO

Eine aktuelle Metaanalyse weist auf ein erhöhtes Krebsrisiko unter Angiotensin-II-Antagonisten (Sartane) hin. Risikosignale bestehen seit 2003, als in einer Studie mit Candesartan (ATACAND, BLOPRESS) eine erhöhte Krebsmortalität unter Verum im Vergleich zu Plazebo aufgefallen war (2,3% versus 1,6%) (1). Die Autoren der methodisch sorgfältig durchgeführten Metaanalyse werten nunmehr die Daten aus neun randomisierten Studien mit Sartanen aus, in denen Angaben zu Krebserkrankungen oder -todesfällen gemacht werden. Die Arbeiten wurden mit Candesartan, Telmisartan (KINZALMONO, MICARDIS), Losartan (LORZAAR, Generika) und Valsartan (DIOVAN u.a.) durchgeführt, zum überwiegenden Teil mit Telmisartan. Nach Daten aus fünf Untersuchungen mit insgesamt 61.590 Patienten wird die Neudiagnose einer Krebserkrankung bei 7,2% unter Sartanen und bei 6% in der Kontrollgruppe gestellt (Relatives Risiko [RR] 1,08; 95% Konfidenzintervall [CI] 1,01-1,15). Werden nur Studien berücksichtigt, in denen Krebserkrankungen als prädefinierter Endpunkt erfasst wurden, bleibt das erhöhte Risiko in ähnlichem Umfang und statistisch signifikant bestehen (RR 1,11; 95% CI 1,04-1,18). Das Ergebnis ist unabhängig von der Vergleichsintervention (Plazebo, Betablocker, ACE-Hemmer). Die Zahl einzeln erfasster solider Tumoren (Prostatakarzinom, Brustkrebs und Lungenkarzinom) liegt jeweils numerisch unter Sartanen höher als unter Kontrollbehandlung. Nur für Lungenkrebs ergibt sich ein signifikanter Unterschied (RR 1,25; 95% CI 1,05-1,49). Die Zahl der Krebstodesfälle steigt nicht signifikant (8 Studien, 93.515 Patienten; RR 1,07; 95% CI 0,97-1,18). Das Risiko wächst allerdings, wenn die Studiendauer drei Jahre überschreitet im Vergleich zu kürzerer Beobachtungszeit.

Die Autoren interpretieren ihre Ergebnisse als Warnsignal, weisen jedoch auf Limitierungen ihrer Analysen hin, in die keine individuellen Patientendaten, sondern lediglich Studienergebnisse eingehen. Eine genaue Risikoberechnung für jedes einzelne Sartan ist mit diesen Daten nicht möglich (2).

In einem begleitenden Editorial wird gefordert, dass die Arzneimittelbehörden jetzt unverzüglich alle Daten zu Sartanen analysieren. Der Autor rät außerdem zu einer zurückhaltenden Verordnung (3). Wir stufen aus der Substanzklasse aufgrund der Nutzenbelege aus Endpunktstudien ausschließlich Losartan (bei Hypertonie) und Candesartan (bei Herzinsuffizienz) als Mittel der letzten Reserve ein, wenn ACE-Hemmer gebraucht, aber nicht verwendet werden können. Für Me-too-Präparate wie Telmisartan oder Valsartan, für die in Studien trotz Blutdrucksenkung kein Nutzen belegt ist, sehen wir keine Indikation (a-t 2006; 37: 48-50, 2008; 39: 94-5 und 2010; 41: 40-1). Bei Olmesartan (OLMETEC, VOTUM) äußert die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA aktuell sogar den Verdacht auf erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit in zwei Langzeitstudien mit Diabetespatienten (4).

 (R = randomisierte Studie, M = Metaanalyse)
R  1PFEFFER, M.A. et al.: Lancet 2003; 362: 759-66
M  2SIPAHI, I. et al.: Lancet Oncol. 2010; online publ. 14. Juni 2010
   3NISSEN, S.E.: Lancet Oncol. 2010; online publ. 14. Juni 2010
   4FDA Drug Safety Communication: Ongoing Safety Review of Benicar and Cardiovascular Events, 11. Juni 2010
http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/PostmarketDrugSafetyInformationforPatientsandProviders/ucm215222.htm

© Redaktion arznei-telegramm, blitz-a-t 16. Juni 2010

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