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Nebenwirkungen

LAMICTAL UND LAMISIL: VERWECHSLUNGSGEFAHR

Die französische Arzneimittelbehörde Afssaps warnt aufgrund ähnlicher Handelsnamen vor einer Verwechslung des Antiepileptikums LAMICTAL (Lamotrigin) mit dem Antimykotikum LAMISIL (Terbinafin). Seit Juli 2007 dokumentiert die Behörde fünf entsprechende Berichte, jeweils mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Betroffenen.1 Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kennt insgesamt neun Meldungen: aus den USA (2), Kanada (1) und Frankreich (6).2 Bei Patienten mit einer Pilzerkrankung der Haut oder der Nägel, die versehentlich das Antiepileptikum Lamotrigin eingenommen haben, sind schwere Hautreaktionen einschließlich STEVENS-JOHNSON-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse (TEN) aufgetreten.2 Begünstigt wird die Schädigung dadurch, dass bei einer Verwechslung die übliche Aufdosierung von Lamotrigin entfällt.1 Patienten mit Epilepsie, die anstelle ihres Antiepileptikums Terbinafin erhalten haben, erlitten vermehrt epileptische Anfälle.2

Die französische Behörde rät Apothekern, bei der Abgabe der beiden Mittel besonders wachsam zu sein und bei eventuellen Zweifeln die Indikation zu erfragen.1 Die Dunkelziffer bei der Verwechslung von Arzneimitteln dürfte beträchtlich sein. Das BfArM geht zudem davon aus, dass solche Medikationsfehler unter anderem wegen drohender Schadenersatzansprüche "nicht oder nur in Ausnahmefällen berichtet werden".2

1Afssaps: Lettre aux professionnels de santé, 22. März 2010
http://www.afssaps.fr/var/afssaps_site/storage/original/application/883ba3106ca73d1ad630e387f5d95132.pdf
2BfArM: Schreiben vom 2. Juli 2010

© 2010 arznei-telegramm, publiziert am 16. Juli 2010

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