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Korrespondenz

STINKENDE RABATT-ARZNEIMITTEL

Gleiches wie für SIMVASTATIN AXCOUNT (a-t 2011; 42: 100) trifft auch für CLOPIDOGREL HCL-1A PHARMA zu: Eine Patientin bot mir eine Geruchsprobe von ihrem Clopidogrel an: ein ekelerregender Chemikaliengeruch! Ich konnte ihr nur zustimmen, dass ein derart übler Geruch nicht zumutbar ist. Übrigens auch Rabatt-Medikament! Ich werde wohl mal wieder ein Aut-idem-Kreuz setzen müssen!

R. LEHMANN (Facharzt für Allgemeinmedizin)
D-27283 Verden
Interessenkonflikt: keiner

Nicht nur Simvastatin, sondern auch Metformin 1000 von Axcount riecht und schmeckt ekelig (verifiziert durch Selbstversuch). Es handelt sich hier also möglicherweise um einen "Klasseneffekt", der die Produkte dieser Firma auszeichnet. Einige meiner Patienten lehnen die Einnahme der Medikamente dieses Anbieters verständlicherweise ab.

Die Firma Axcount hat mit einigen Krankenkassen Rabattverträge abgeschlossen. Laut einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums vom 16. Februar 2011 an die kassenärztliche Bundesvereinigung ist eine Verordnung nicht rabattierter Medikamente nur aus medizinischen Gründen zulässig. Ist ein schlechter Geschmack, der bei anderen Präparaten mit gleichem Wirkstoff nicht vorhanden ist, ein medizinischer Grund? Rabattverträge hemmen meines Erachtens nicht nur den echten Wettbewerb, sondern bergen auch größere Risiken, die die sichere Versorgung der Patienten mit zum Teil lebenswichtigen Medikamenten gefährden.

Dr. med. C. LÜCKE (Facharzt für Innere Medizin)
D-71717 Beilstein
Interessenkonflikt: keiner

Einen weiteren Bericht über sehr unangenehmen muffigen Geruch und Geschmack erhielten wir zu RAMIPRIL HEXAL (NETZWERK-Bericht 16.008). Bei Untersuchung einzelner Proben im Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) haben Clopidogrelhydrochlorid-Tabletten von 1A Pharma, Hexal und Sandoz*, die alle von Salutas Pharma hergestellt werden, einen muffig-schimmeligen Geruch, der aber schnell verfliegen soll. Dieser "typische" Geruch sei seit dem vergangenen Jahr Grund zahlreicher Reklamationen gewesen und bislang vorwiegend bei Ramipril, Felodipin und Metformin aufgetreten.1 Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) überblickt zu schlechtem Geruch und Geschmack für 2010 und 2011 insgesamt 121 Meldungen zu Metformin, überwiegend von Axcount, 25 zu Ramipril unter anderem von Hexal, 11 zu Felodipin von Heumann und 5 zu Clopidogrel von Hexal und 1A Pharma.2

* CLOPIDOGREL SANDOZ wird auch von anderen Firmen hergestellt.9

In der Probe einer 2011 wegen schlechten Geruchs zurückgerufenen Charge von FELODIPIN RETARD HEUMANN3 sowie in Proben mehrerer Chargen von METFORMIN AXCOUNT konnte das ZL 2,4,6-Trichloranisol nachweisen,1,4 das bereits in Spuren muffig-schimmelig riecht.5

2011 wurden einige Chargen des HIV-Proteaseinhibitors Darunavir (PREZISTA) wegen unangenehmen Geruchs der Umverpackung (Kunststoffflasche) aufgrund einer Kontamination mit Spuren von 2,4,6-Tribromanisol zurückgerufen.6 Auch dieses riecht muffig-schimmelig.5 In Einzelfällen wurden Übelkeit und Erbrechen nach Anwendung aus betroffenen Chargen berichtet. Als Quelle wurden Holzpaletten, die zur Lagerung und zum Transport der Kunststoffflaschen verwendet wurden, identifiziert.6 Auch Chargenrückrufe von Glibenclamid-Tabletten 2010 durch AbZ, CT Arzneimittel und ratiopharm,7,8 die alle zu Teva gehören (a-t 2011; 42: 49-51), wegen unangenehmen Geruchs sprechen gegen eine hinreichend funktionierende Qualitätskontrolle. Inakzeptabel riechende Arzneimittel dürften aus Gründen des Patientenschutzes gar nicht erst in den Handel gelangen, -Red.

1 ZL: Schreiben vom 11. Nov. 2011
2 AMK: Schreiben vom 21. Nov. 2011
3 AMK: Pharm. Ztg. 2011; 156: Nr. 4: 115
4 ZL: Schreiben vom 17. und 29. Nov. 2011
5 McNeil: Frequently Asked Questions, 29. März 2011;
http://www.mcneilproductrecall.com/page.jhtml?id=/include/faq_march_TY8Hour_2011.inc
6 Dt. Ärztebl. 2011; 108: A-1187
7 AMK: Pharm. Ztg. 2010; 155: Nr. 47: 143
8 AMK: Pharm. Ztg. 2010; 155: Nr. 48: 126-7
9 Sandoz: Gebrauchsinformation CLOPIDOGREL (HCL) SANDOZ, Stand März 2010

© 2011 arznei-telegramm, publiziert am 2. Dezember 2011

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