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Leukämien und Lymphome unter Natalizumab (TYSABRI)

Bei einem 57-Jährigen mit Multipler Sklerose und chronischer Borreliose wird nach 10 Infusionen des Integrinhemmers Natalizumab (TYSABRI) eine klonale Vermehrung von B-Lymphozyten festgestellt. Morphologie und Phänotyp sprechen für eine chronisch lymphatische Leukämie. Die niedrige Zellzahl deutet auf ein frühes Stadium hin (NETZWERK-Bericht 15.641). Der europäischen Arzneimittelbehörde EMA liegen insgesamt 36 Berichte zu Leukämien unter Natalizumab sowie 40 Berichte zu Lymphomen vor (EMA: Schreiben vom 15. März 2012). Hinweise auf Lymphome unter Natalizumab gibt es auch in der Literatur. Berichtet wird beispielsweise von zwei 40-jährigen Patienten, bei denen sich nach 21 bzw. 3 Infusionen von Natalizumab ein Lymphom im ZNS findet (SCHWEIKERT, A. et al.: Ann. Neurol. 2009; 66: 403-6; MATZKE, M. et al.: Mult. Scler. J. 2012, online publiziert am 1. März 2012). Bei einer 39-jährigen Patientin wird nach 17 Infusionen ein peripheres T-Zell-Lymphom diagnostiziert (SCHOWINSKY, J. et al.: Acta Neuropathol. 2012; 123: 751-2). Bereits 2008 berichteten wir über maligne Melanome in Verbindung mit dem Integrinhemmer (a-t 2008; 39: 24). Laut Fachinformation werden Malignome unter Natalizumab nicht häufiger beobachtet als unter Plazebo (Biogen Idec: Fachinformation TYSABRI, Stand Juni 2011). Wegen lebensbedrohlicher Risiken wie progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (a-t 2012; 43: 23-4) sowie der unzureichenden Wirksamkeitsbelege raten wir weiterhin von Natalizumab ab, -Red

© 2012 arznei-telegramm, publiziert am 7. Mai 2012

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