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Polyneuropathie und Sehstörungen unter Dronedaron (MULTAQ)

Ein 50-Jähriger, der wegen Vorhofflimmerns knapp ein Jahr lang das Amiodaron-Analog Dronedaron (MULTAQ; a-t 2010; 41: 17-9 und 2011; 42: 65-6) einnimmt, entwickelt eine Polyneuropathie mit strumpfförmigem Sensibilitätsverlust im linken Vorfuß und Sehprobleme. Auch ein Jahr nach Absetzen halten die Beschwerden noch an (NETZWERK-Bericht 16.084). Für Amiodaron (CORDAREX, Generika), das der Patient zuvor nicht eingenommen hat, sind periphere sensorische Neuropathien als gelegentliche Störwirkungen beschrieben. Üblicherweise verschwinden sie einige Monate nach Absetzen, in Einzelfällen sind sie aber auch nicht vollständig reversibel. Sehr häufig finden sich unter Amiodaron zudem Mikroablagerungen an der Vorderfläche der Hornhaut, die zu Sehstörungen führen können, sich in der Regel jedoch sechs bis zwölf Monate nach Therapieende zurückbilden. Sehr selten sind Optikusneuropathie oder Optikusneuritis, die zu permanenter Blindheit führen können (Sanofi-Aventis: Fachinformation CORDAREX, Stand Dez. 2011). In der Fachinformation von Dronedaron finden sich bislang keine Hinweise auf Neuropathie oder Sehstörungen (Sanofi-Aventis: Fachinformation MULTAQ, Stand Dez. 2011). Für die Anwendung der Amidaron-Variante zur Rhythmuskontrolle nach erfolgreicher Kardioversion bei nicht permanentem Vorhofflimmern, der einzigen zugelassenen Indikation, sehen wir ohnehin keine positive Nutzen-Schaden-Bilanz (a-t 2011; 42: 90).

© 2012 arznei-telegramm, publiziert am 7. Mai 2012

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