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Nebenwirkungen

GLP-1-BASIERTE THERAPIEN SCHÄDIGEN BAUCHSPEICHELDRÜSE

Inkretinmimetika, also Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer) wie Sitagliptin (JANUVIA, XELEVIA), die den Abbau von Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) mindern, und GLP-1-Rezeptoragonisten wie Exenatide (BYETTA, BYDUREON), stehen im Verdacht, neben Pankreatitis auch Karzinome der Bauchspeicheldrüse zu begünstigen (a-t 2012; 43: 64, 2011; 42: 47 u.a.).1 Nach einer im Februar 2013 veröffentlichten US-amerikanischen Fall-Kontroll-Studie verdoppelt eine GLP-1-basierte Therapie das relative Risiko von Krankenhausaufenthalten aufgrund akuter Pankreatitis im Vergleich zu anderen Antidiabetika (Odds Ratio 2,24; 95% Konfidenzintervall 1,36-3,68).2

Neue besorgniserregende Befunde publizieren jetzt die Autoren einer Autopsiestudie. Die Bauchspeicheldrüsen von acht Organspendern mit Typ-2-Diabetes, die vor ihrem Tod mindestens ein Jahr lang mit Sitagliptin (n = 7) oder Exenatide (n = 1) behandelt wurden, wiegen durchschnittlich 40% mehr als die von zwölf Kontrollen mit anderer antidiabetischer Therapie. Die Vergrößerung geht mit einer Proliferation exokriner Zellen einher sowie mit Zunahme intraepithelialer Neoplasien, die als Krebsvorstufen gelten. Die Masse der - wahrscheinlich nicht funktionstüchtigen - Betazellen ist gegenüber den Kontrollen mit Diabetes versechsfacht, gegenüber denen ohne Diabetes verdreifacht. Auch Alphazellen sind beträchtlich vermehrt und finden sich häufig peri- und intraduktal. Überdies zeigen drei Präparate Glukagon-produzierende Mikroadenome und eines einen zu Lebzeiten nicht diagnostizierten Glukagon-produzierenden neuroendokrinen Tumor. Die Befunde sind nach Einschätzung der Autoren vereinbar mit einer chronischen Suppression der Glukagonsekretion durch Inkretinmimetika. Eine Obstruktion der Pankreasgänge durch die vermehrten Alphazellen und intraepithelialen Neoplasien könnte zudem die Entstehung von Pankreatitiden unter Inkretintherapie erklären.3 Die Arzneimittelbehörden FDA und EMA prüfen die Studienergebnisse derzeit.4,5

Angesichts dieser weiteren Risikosignale sowie fehlender Belege eines klinischen Nutzens warnen wir erneut vor der Anwendung von DPP-4-Hemmern und GLP-1-Agonisten, einschließlich des neu eingeführten Lixisenatid (LYXUMIA, Seite 33), -Red.

1 ELASHOFF, M. et al.: Gastroenterology 2011; 141: 150-6
2 SINGH, S. et al.: JAMA Intern. Med. 2013; 173: 534-9
3 BUTLER, A.E. et al.: Diabetes, online publ. am 22. März 2013, doi: 10.2337/db12-1686
4 FDA: FDA Drug Safety Communication: FDA investigating reports of possible increased risk of pancreatitis and pre-cancerous findings of the pancreas from incretin mimetic drugs for type 2 diabetes, 14. März 2013
http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm343187.htm
5 EMA: EMA investigates findings on pancreatic risks with GLP-1-based therapies for type 2 diabetes, 26. März 2013;
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Press_release/2013/03/WC500140866.pdf

© 2013 arznei-telegramm, publiziert am 19. April 2013

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