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Nebenwirkungen

TÖDLICHE LEBERSCHÄDEN UNTER AGOMELATIN (VALDOXAN)

Vor einem Jahr musste die Firma Servier wegen schwerwiegender Leberschäden die Fachinformation von Agomelatin (VALDOXAN) verschärfen. Für den zur Behandlung von Depression zugelassenen Melatoninagonisten wurden zusätzliche Leberfunktionstests vorgeschrieben (a-t 2012; 43: 96). Trotz dieser Maßnahmen sind weitere schwere Leberschäden berichtet worden, die bei „Patienten mit Risikofaktoren für eine Leberschädigung” eine Lebertransplantation erforderten oder tödlich verliefen. Künftig ist Agomelatin deshalb bei erhöhten Transaminasenwerten von mehr als dem Dreifachen des oberen Normwertes kontraindiziert. Eingeschränkte Leberfunktion, das heißt Leberzirrhose oder aktive Lebererkrankung, galt bereits zuvor als Gegenanzeige. Zudem soll das Mittel ab einem Alter von 75 Jahren nicht mehr angewendet werden (aufgrund der Anfälligkeit für Leberschäden und der fehlenden Nutzenbelege für diese Altersgruppe in einer aktuellen Studie1).2

Einer aktuellen Metaanalyse zufolge ist unverändert ein klinisch relevanter Unterschied zwischen Agomelatin und Plazebo bei Patienten mit Depression unwahrscheinlich (vgl. a-t 2009; 40: 43-4). Den errechneten Vorteil von 1,51 Punkten auf der Hamilton Depressionsskala beurteilen die Autoren als fraglich klinisch relevant (99% Konfidenzintervall [CI] 0,73-2,29). Für Rückfallprophylaxe fehlt ein signifikanter Effekt (relatives Risiko 0,79; 99% CI 0,41-1,49). Von den 13 eingeschlossenen randomisierten Doppelblindstudien wurde keine der 7 Negativstudien vollständig publiziert.3 In den USA ist Agomelatin nach wie vor nicht zugelassen. Novartis, das dort die Marktrechte besitzt, hat nach zwei Negativstudien mit einer sublingualen Darreichungsform bereits 2011 die weitere Entwicklung eingestellt.3,4 Wir raten nachdrücklich von der Anwendung von Agomelatin ab, –Red.

  (R =randomisierte Studie, M = Metaanalyse)
R  1 HEUN, R. et al.: J. Clin. Psychiatry 2013; 74: 587-94
2 Servier: Ärzteanschreiben vom 14. Okt. 2013 http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Weitere/20131014.pdf
M  3 KOESTERS, M. et al.: Br. J. Psychiatry 2013; 203: 179-87
4 Scrip 2011; Nr. 3572: 1

© 2013 arznei-telegramm, publiziert am 8. November 2013

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