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PROTONENPUMPENHEMMER NR. 6: DEXLANSOPRAZOL (DEXILANT)

Der in den USA bereits 2009 eingeführte Protonenpumpenhemmer Dexlansoprazol (DEXILANT) ist seit Juni 2014 auch in Deutschland erhältlich. Es handelt sich um den rechtsdrehenden Anteil (R-Enantiomer) von Lansoprazol (AGOPTON, Generika), das als Gemisch (Razemat) rechts- und linksdrehender Enantiomere vorliegt und vom selben Anbieter (Takeda) vertrieben wird. Die beiden Lansoprazol-Enantiomere sollen die so genannten Protonenpumpen in den Parietalzellen des Magens ähnlich stark hemmen. Nach Einnahme von Lansoprazol bildet das R-Enantiomer aber aufgrund seiner geringeren Clearance den Hauptanteil (80%) des aktiven Wirkstoffs.1 In Analogie zur Markteinführung von Esomeprazol (NEXIUM, Generika; a-t 2000; 31: 82-3), dem S Enantiomer von Omeprazol (ANTRA, Generika), führte in den USA offenbar der ablaufende Patentschutz von Lansoprazol zur Einführung von Dexlansoprazol.2 Dexlansoprazol wird mit täglich 30 mg bis 60 mg3 in doppelt so hoher Dosierung angeboten wie das Razemat Lansoprazol (täglich 15 mg bis 30 mg4). Auch dies erinnert an Esomeprazol, das in einigen Indikationen doppelt so hoch dosiert wird wie Omeprazol.

Takeda selbst schätzt Dexlansoprazol offensichtlich nicht als wirkliche Neuerung ein: Für die Zulassung nimmt der Anbieter zum Teil wie bei einem Generikum Bezug auf die Unterlagen zu Lansoprazol. Da aus diesem Grund für Dexlansoprazol kein Unterlagenschutz besteht, entfällt auch die frühe Nutzenbewertung.5,6 Die Anwendungsgebiete von Dexlansoprazol beschränken sich auf erosive Refluxösophagitis, Sodbrennen und Beschwerden bei nichterosiver Refluxkrankheit.3 Zur Eradikationstherapie von Helicobacter pylori, Ulkustherapie oder -prophylaxe und zur Behandlung des Zollinger-Ellison-Syndroms ist es im Gegensatz zum Razemat Lansoprazol nicht zugelassen.

Die Zulassungsstudien sind überwiegend plazebokontrolliert durchgeführt worden.3,7-10 In zwei Phase-III-Studien zur akuten erosiven Refluxösophagitis mit insgesamt 4.092 Patienten wird Dexlansoprazol in Tagesdosierungen von 60 mg und 90 mg (nicht zugelassen) mit 30 mg Lansoprazol verglichen.11 60 mg/Tag Dexlansoprazol erzielen in acht Wochen ähnlich hohe Heilungsraten wie täglich 30 mg Lansoprazol. Nur in einer sekundären Analyse in einer der beiden Studien ergibt sich ein signifikanter Unterschied zu Gunsten von 60 mg Dexlansoprazol (Heilungsrate 85% versus 79%).11 Diese Differenz ist auch laut Einschätzung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA klinisch ohne Bedeutung. Die FDA vermisst zudem einen Vergleich von täglich 30 mg Dexlansoprazol mit Lansoprazol.12

Das Störwirkungsprofil von Dexlansoprazol entspricht im Wesentlichen dem von Lansoprazol: Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Infekte der oberen Luftwege und Kopfschmerz werden am häufigsten beschrieben.13 Zunächst geäußerte Sicherheitsbedenken der FDA wegen eines gegenüber Lansoprazol dreifach erhöhten Risikos schwerwiegender unerwünschter, vor allem kardiovaskulärer und verletzungsassoziierter Ereignisse unter dem Enantiomer, bewertet die Behörde nach eingehender Prüfung nicht als spezifisches Risikosignal von Dexlansoprazol. Die Zunahme von Stürzen und Verletzungen wie Frakturen und Gelenksdislokationen erforderte aber eine Postmarketingstudie zur Knochengesundheit, die bislang nicht abgeschlossen ist.12,14

Die vierwöchige Therapie der erosiven Refluxösophagitis kostet mit täglich 60 mg Dexlansoprazol (DEXILANT, 91 €) etwa sechsmal so viel wie mit täglich 30 mg Lansoprazol (LANSOPRAZOL HEXAL u.a., 15 €). Da Dexlansoprazol nicht für eine frühe Nutzenbewertung vorgesehen ist,6 ist die Einordnung in eine Festbetragsgruppe geplant.

∎  Wir erachten Dexlansoprazol (DEXILANT) als überflüssiges Me-too-Präparat mit einem gegenüber anderen verfügbaren Protonenpumpenhemmern deutlich eingeschränkten Anwendungsgebiet.

  (R = randomisierte Studie)
1 METZ, D.C. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 29: 928-37
2 Scrip vom 6. Febr. 2009; S. 27
3 Takeda Pharma: Fachinformation DEXILANT, Stand Nov. 2013
4 Takeda: Fachinformation AGOPTON, Stand Nov. 2012
5 BfArM: Schreiben vom 24. Juni 2014
6 G-BA: Schreiben vom 18. Juni 2014
R    7 FASS, R. et al.: Am. J. Gastroenterol. 2011; 106: 421-31
R    8 METZ, D.C. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 29: 742-54
R    9 FASS, R. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 29: 1261-72
R  10 HOWDEN, C.W. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 30: 895-907
R  11 SHARMA, P. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 29: 731-41
12 FDA: Medical Review Dexlansoprazol, Stand Dez. 2008, zu finden unter: http://www.a-turl.de/?k=irzl
13 PEURA, D.A. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 2009; 30: 1010-21
14 FDA: Summary Review Dexlansoprazol, Stand Jan. 2009 http://www.a-turl.de/?k=anho

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 22. August 2014

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