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PROTONENPUMPENHEMMER ESOMEPRAZOL (NEXIUM MUPS)

Der Ablauf des Patentschutzes von Omeprazol (ANTRA MUPS u.a.) in Deutschland im April vergangenen Jahres hat Astra Umsatzeinbrüche von 40% für den Protonenpumpenhemmer durch Generika beschert (vgl. a-t 1999; Nr. 9: 96). Auch in anderen europäischen Ländern und den USA läuft die Schutzfrist demnächst ab. Rechtzeitig präsentiert Astra nun einen patentgeschützten Nachfolger: Esomeprazol (NEXIUM* MUPS) soll als "isomerer" Protonenpumpenhemmer der "erste Vertreter einer neuen Klasse"1,2 sein und schneller und besser wirken als Omeprazol ("Die Evolution hat eine neue Spitze")2. Dabei handelt es sich lediglich um den linksdrehenden Anteil (S-Omeprazol) von Omeprazol, das aus einem Gemisch (Razemat) aus rechts (R-)- und linksdrehendem (S-) Isomer besteht.

Erstmals deckt die EU-Zulassung auch eine bedarfsweise Anwendung zur symptomatischen Linderung von Refluxbeschwerden bei Personen ab, bei denen sich endoskopisch keine typischen Schleimhautläsionen erkennen lassen. Wie passend: Zeitgleich mit der Markteinführung von NEXIUM unterstützt Astra eine Fragebogenaktion der Gastro-Liga und des Berufsverbandes der Allgemeinmediziner (BDA; siehe Seite 87), um die Bevölkerung für typische Reflux-Symptome zu "sensibilisieren"3 (siehe Seite 86).

Esomeprazol soll bei der Leberpassage in geringerem Maß abgebaut werden als R-Omeprazol und daher besser bioverfügbar sein. Beide Formen werden über Zytochrom-P450-Enzyme verstoffwechselt, Esomeprazol hauptsächlich über CYP3A4, R-Omeprazol über CYP2C19.4 Nach fünftägiger Einnahme von jeweils 20 mg Esomeprazol bzw. Omeprazol liegen die Plasmaspiegel der S-Variante im Mittel um 80% höher.5

Jubelmeldungen über bessere und schnellere Wirksamkeit von Esomeprazol lassen sich offenbar jedoch darauf zurückführen, dass in der Regel 40 mg der linksdrehenden Variante - die empfohlene Dosis bei akuter Refluxösophagitis - mit 20 mg Omeprazol verglichen werden. Die Heilungsraten nach acht Wochen betragen in der einzigen veröffentlichten klinischen Studie mit 1.960 Patienten mit erosiver Refluxösophagitis dann 94% für Esomeprazol und 87% für Omeprazol. Unter 20 mg Esomeprazol bilden sich die entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre bei 90% zurück.6 Dieser Unterschied mag zwar statistisch signifikant sein, entbehrt aber einer klinischen Relevanz. Hinsichtlich Heilungsraten nach vier Wochen und Zeit bis zur deutlichen Besserung der Beschwerden unterscheiden sich Razemat und S-Variante bei gleicher Dosis von jeweils 20 mg nicht.6 Ein Vergleich von 40 mg Esomeprazol mit 40 mg Omeprazol fehlt.

Von den für Omeprazol bekannten Störwirkungen ist auszugehen. Offen bleibt, wie sich die vergleichsweise hohe Standarddosis von Esomeprazol auf die Verträglichkeit auswirkt.

FAZIT: Ein Leser bringt es auf den Punkt: "... Ich habe den Eindruck, dass es sich bei Esomeprazol (NEXIUM MUPS) weniger um eine pharmakologische Innovation als vielmehr um eine weitere ZOK- oder MUPS-Werbemaßnahme handelt und die Ärzteschaft durch so genannte ,Meinungsbildner' verordnungsreif informiert werden soll" (vgl. a-t 1999; Nr. 7: 76 und Nr. 11: 117).7 Dem lässt sich nichts hinzufügen.

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