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Korrespondenz

NIEDERMOLEKULARE HEPARINE
ZUR THROMBOSE- UND EMBOLIEPROPHYLAXE?

Warum erfolgt bei einem Artikel über Heparin-Behandlung und die Risiken bzw. die Kosten-Nutzen-Relation (a-t 2 [1991], 21) nicht auch ein Hinweis auf alternative Maßnahmen, z.B. eine Behandlung mit ASS? Nach meiner Einschätzung könnte ein Teil der Patienten, die heparinisiert werden, auch mit ASS behandelt werden.

Dr. med. H. WILIMZIG (Arzt für Neurologie u. Psychiatrie)
W-4500 Osnabrück


Während Heparine die Gerinnung beeinflussen und im venösen Schenkel des Kreislaufsystems wirken, fehlt für Thrombozytenaggregationshemmer wie Azetylsalizylsäure (ASPIRIN [ASS] u.a.) der Beleg der Wirksamkeit im venösen Bereich. Wahrscheinlich spielt die Aggregation der Thrombozyten bei der Genese venöser Thromben eine geringere Rolle als die Gerinnung. Aber auch im arteriellen Schenkel des Kreislaufsystems scheinen Dosisabhängigkeiten in bezug auf die Gefäßweite zu existieren:

  • Für die Koronargefäße (z.B. nach Bypass-Operation) scheinen 100 mg ASS pro Tag auszureichen.
  • Bei zerebralen Gefäßen (z.B. bei transitorischen Ischämien) scheinen 300 mg ASS erforderlich zu sein.
  • Zur Behandlung der arteriellen Verschlußkrankheit der peripheren Gefäße liegen bisher nur Studien mit täglich 1 - 1,5 g ASS vor. Der Nutzen niedrigerer Dosen ist noch nicht hinreichend belegt.

Theoretisch haben Heparinoide pflanzlichen Ursprungs den Vorteil der BSE-Sicherheit. Für Heparinoide wie Pentosanpolysulfat (SP 54) fehlen hinreichende Daten. Studien zur Wirksamkeit für die Thromboembolie-Prophylaxe liegen nicht vor.

Nach einigen älteren Studien scheint Dextran (MACRODEX) eine der Heparinisierung vergleichbare Wirkung auf die venöse Thrombogenese zu besitzen. Allerdings ist die Datenlage schlechter als bei Heparin. Das Risiko anaphylaktischer oder pseudoallergischer Kreislaufreaktionen ist zu berücksichtigen. Trotzdem könnte Dextran Bedeutung erlangen, falls sich das mögliche Risiko der BSE-Infektion durch Heparin konkretisiert (–Red.).


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