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RISIKEN DER POSTMENO-PAUSALEN HORMONSUBSTITUTION

  1. Gibt es Berichte über das Wachstum von Fibroadenomen unter Anwendung von PROGESTOGEL oder sogar Hinweise auf Tumorwachstum?

  2. Können die Blutfettwerte unter PRESOMEN COMP. 0,6 erhöht sein?

  3. Geht die Hormoneinnahme in der Menopause mit einer höheren Brustkrebsrate einher?

  4. Wie wird die Anwendung von PRESOMEN allgemein eingeschätzt?



  5. Dr. M. COFFI
    W-1000 Berlin 62

  1. PROGESTOGEL enthält Progesteron und wird bei Mastodynien lokal angewendet. Gestagene besitzen im Gegensatz zu Östrogenen keine proliferationsfördernden Eigenschaften, so daß die Förderung eines Fibroadenomwachstums nicht plausibel ist. Derartige Berichte liegen uns nicht vor.
  2. Über den Einfluß von Kombinationen aus Östrogenen und Gestagenen wie in PRESOMEN COMP. auf die Blutfettwerte existieren widersprüchliche Berichte. Bei Überwiegen eines Östrogeneinflusses wird eher die Tendenz einer Absenkung erhöhter Blutfettwerte diskutiert, für Gestagene das Gegenteil. Bei einem schwach östrogenwirksamen Präparat wie PRESOMEN COMP. könnten die Serumkonzentrationen von Cholesterol und Triglyzeriden gering ansteigen. Erhöhte Blutfettwerte treten bei Patientinnen in der Postmenopause durchaus auch ohne Medikation auf. Hieraus ergeben sich in der Regel keine therapeutischen Konsequenzen. Eine lipidsenkende Behandlung kommt nicht in Betracht (vgl. a-t 12 [1991], 111).
  3. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Hormonsubstitution in der Postmenopause und Brustkrebsrisiko wurde in umfangreichen Studien untersucht. Bei einer Behandlungsdauer von weniger als 5 Jahren ist kein Einfluß auf die Brustkrebsrate durch Hormonsubstitution zu erwarten. Wird die Behandlung jedoch auf 15 Jahre ausgedehnt, könnte sich die Häufigkeit des Auftretens von Brustkrebs in dieser Altersgruppe um maximal 30% erhöhen.
  4. Die Hormonsubstitution in der Postmenopause bessert kurzfristig klimakterische Beschwerden und vermindert langfristig das Osteoporoserisiko. Die postmenopausale Östrogensubstitution muß zyklisch und mit begleitender Gestagentherapie erfolgen, da andernfalls das Risiko von Endometriumkarzinom und Endometriumhyperplasie überwiegt. Das Bundesgesundheitsamt hat im Rahmen des Stufenplans (Stufe 2) entsprechende Ergänzungen der Packungsbeilagen und Fachinformationen für östrogenhaltige Arzneimittel gefordert (Pharm. Ztg. 137 [1992], 7). Die Kombination mit einem Gestagen ist notwendig, um die proliferationsfördernde Wirkung der Östrogene auf Zellen mit hormongesteuertem Wachstum zu antagonisieren (vgl. a-t 12 [1990], 103; 1 [1991], 3; 8 [1991], 69). Die alleinige Östrogensubstitution ist abzulehnen. Nur die zyklische Gabe in Kombination mit einem Gestagen in den letzten 10 bis 12 Tagen des Behandlungszyklus erscheint vertretbar.
Zur Dauer der Östrogensubstitution fehlen klare Aussagen. Bei 5jähriger kombinierter Hormonsubstitution sind keine negativen Effekte zu erwarten. Eine längerfristige Einnahme ist dann vertretbar, wenn sie zur Verhinderung einer Osteoporose angezeigt erscheint. Sobald bessere Daten zur Beurteilung möglicher Brustkrebsrisiken vorliegen, ist eine neue Nutzen-Risiko-Bewertung vorzunehmen (–Red.).


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