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Therapieempfehung

VORBEUGENDE MEDIKAMENTE GEGEN REISEDURCHFALL

Nahezu jeden zweiten Dritte-Welt-Touristen trifft "MONTEZUMAS Rache" – der unangenehme und lästige, zum Teil mit Fieber, Erbrechen und Bauchkrämpfen einhergehende Reisedurchfall. Wer die Grundregeln Tropenreisender beherzigt ("cook it, boil it, peel it or forget it"), also nur in Flaschen oder Dosen abgefüllte Getränke ohne Eis zu sich nimmt und auf Salate und ungeschältes Obst verzichtet, schützt sich am besten (vgl. a-t 6 [1987], 50; 7 [1988], 63; 6 [1990], 53).

Vorbeugend eingenommene Antibiotika verhindern 80% bis 90% der überwiegend durch E.-coli-Varianten verursachten Diarrhoen, doch müssen etwa 3% der Verwender mit Hautausschlag und vaginaler Hefepilzinfektion rechnen, bisweilen auch mit lebensbedrohlichen Komplikationen wie dem STEVENS- JOHNSON-Syndrom. Da ein Reisedurchfall im allgemeinen innerhalb weniger Tage von allein abklingt ("self limiting disease"), ist die Nutzen-Risiko- Abwägung der Antibiotika-Prophylaxe nur für diejenigen positiv, die eine Durchfallerkrankung ernsthaft gefährdet oder die für die Krankheitskeime besonders empfänglich sind: z.B. Personen mit aktiven Darmerkrankungen, insulinpflichtigem Diabetes mellitus oder AIDS, ältere Herzkranke und Patienten, die Protonenpumpenhemmer einnehmen.

Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin (CIPROBAY) finden Anwendung. Für manche Gebiete, beispielsweise das Innere Mexikos im Sommer, hat sich Co-trimoxazol (BACTRIM u.a.) als wirksam erwiesen.

Reisende ohne die genannten Risikofaktoren, die sich in ihrer Ernährung nicht einschränken können oder wollen, mögen viermal täglich 30 ml (2 Beutel) Wismutsubsalizylat-Suspension (JATROX S) einnehmen (Kosten: 10,51 DM/Tag). Damit schützen sie sich zu 60% vor Diarrhoen und haben bei kurzzeitiger Anwendung nur mit überwiegend leichteren Störwirkungen wie reversiblen Ohrgeräuschen und Schwarzfärbung der Zunge und des Stuhls zu rechnen. Die zweimalige Einnahme wirkt schlechter. Das verschreibungspflichtige Mittel eignet sich nicht für Patienten mit Salizylatallergie, Gerinnungsstörungen oder Ulkusleiden. Bei längerfristiger Anwendung besteht die Gefahr der Wismutintoxikation mit Enzephalopathie (vgl. a-t 8 [1993], 83).

Vorbeugende Medikamente müssen vom ersten Reisetag bis zwei Tage nach der Rückkehr eingenommen werden. Eine Beschränkung der Prophylaxe auf drei Wochen wird empfohlen. Schwangere und Kinder sollen vorbeugend weder ein Antibiotikum noch Wismutsubsalizylat einnehmen.

FAZIT: Wer in Tropen und Subtropen nur gekochte Speisen, geschältes Obst und in Flaschen oder Dosen abgefüllte Getränke zu sich nimmt, beugt dem Reisedurchfall am wirksamsten vor. Für Reisende, die diese Vorsichtsmaßnahmen nicht beachten, kommt Wismutsubsalizylat (JATROX S) in Betracht, mit täglichen Kosten von über 10 DM. Antibiotika eignen sich für Risikogruppen. DUPONT, H. L., C. D. ERICSSON: N. Engl. J. Med. 328 (1993), 1821 / ati d


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