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KALZIUMANTAGONIST AMLODIPIN (NORVASC)

"Substanzeigener 24-Stunden-Schutz" und "besonders gute Verträglichkeit" sollen Amlodipin (NORVASC) auszeichnen.1 Das mit Nifedipin (ADALAT u.a.) strukturverwandte Dihydropyridin-Derivat wurde als einziger langwirksamer Kalziumantagonist für die beiden Anwendungsgebiete Hypertonie und Angina pectoris zugelassen.

Für beide Krankheitsbilder sind relevante Vorteile gegenüber etablierten Mitteln wie Nifedipin weder plausibel noch nachgewiesen. Amlodipin senkt erhöhten Blutdruck vergleichbar gut wie das Diuretikum Hydrochlorothiazid (ESIDRIX u.a.) oder der Betablocker Atenolol (TENORMIN u.a.; s. auch a-t 12 [1993], 130). Im Unterschied zu den längst bewährten Antihypertensiva fehlen Untersuchungen zur Beeinflussung der Lebenserwartung von Bluthochdruckkranken unter Langzeitverwendung von Amlodipin.2 Es mindert bei stabiler Angina pectoris Anfallshäufigkeit und Nitratverbrauch ähnlich wie der Betablocker Nadolol (SOLGOL) oder der Kalziumantagonist Diltiazem (DILZEM u.a.).2,3

Die – vom Hersteller als Vorteil gegenüber älteren Kalziumantagonisten herausgestellte4 – lange Halbwertszeit kann ebensogut gesteigerte Toxizität und besondere Schwierigkeiten bei der Behandlung verursachen.5 Zudem erhöht die einmal statt zweimal tägliche Anwendung die Einnahmetreue nur geringfügig.6

Die Behandlung von Hochdruck und Angina pectoris wird mit 5 mg pro Tag begonnen. Für die meisten Koronargefäß-Kranken muß auf die maximale Tagesdosis von 10 mg erhöht werden. Trotz verlangsamten Abbaus empfiehlt der Hersteller im Alter die üblichen Dosen und bei Leberfunktionsstörungen "vorsichtige Anwendung".4 Es erscheint sinnvoll, bei diesen Patienten die Hochdruckbehandlung mit kurzwirksamen Dihydropyridinen wie Nifedipin zu beginnen oder die Amlodipin-Dosis anfangs auf 2,5 mg und bei Angina pectoris auf 5 mg zu reduzieren.7 Unter den unerwünschten Wirkungen dominieren die für Dihydropyridine bekannten Ödeme, Hitzewallungen und Müdigkeit.2

FAZIT: Mit Amlodipin (NORVASC) ist eine weitere teure Nifedipin (ADALAT u.a.)-Variante erhältlich, die gegenüber bewährten Kalziumantagonisten keine relevanten Vorteile bietet. In der Hochdruckbehandlung haben heute ohnehin Betablocker und Thiazid-Diuretika den Vorrang.


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