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Vorbehalte gegen Kalziumantagonisten und kein Ende: Kalziumantagonisten gehören zu den Eckpfeilern der Therapie von Herz- Kreislauf-Erkrankungen. Sie werden ebensooft verordnet wie Diuretika und häufiger als ACE-Hemmer bzw. Betarezeptorenblocker (SCHWABE, U., D. PAFFRATH [Hrsg.]: "Arzneiverordnungs-Report '96", Fischer, Stuttgart, 1996, Seite 94). Vorbehalte gegen die breite Verwendung wachsen – zuletzt wegen Verdachts auf erhöhte Sterblichkeit von Bluthochdruckkranken und Personen mit koronarer Herzkrankheit sowie wegen potentieller Kanzerogenität (a-t 9 [1996], 85). Vor einem Jahr ließen vorläufige Daten der Multicenter Isradipine Diuretic Atherosclerosis Study (MIDAS) mit knapp 900 Bluthochdruckkranken ab 40 Jahren einen Trend zu häufigeren kardiovaskulären Ereignissen unter Einnahme des kurzwirkenden Dihydropyridinkalziumantagonisten Isradipin (LOMIR, VASCAL) im Vergleich zu Hydrochlorothiazid (ESIDRIX u.a.) erkennen (a-t 10 [1995], 99). Nach der jetzt vorgelegten Endauswertung treffen schwerwiegende vaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und in der Klinik dokumentierte Angina pectoris 5,5% der Isradipin- und 3% der Hydrochlorothiazid-Anwender. Weniger schwerwiegende kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie vorübergehende ischämische Attacken und Rhythmusstörungen kommen unter Isradipin mit 7% signifikant häufiger vor als unter Hydrochlorothiazid (4%). Die aus Voruntersuchungen abgeleitete Hoffnung, Isradipin könne das Fortschreiten von Gefäßveränderungen aufhalten, bestätigt sich durch die aufwendige Studie nicht. Als Surrogatmarker dient die mit Ultraschall bestimmte Wandstärke der Karotiden. Die beiden Hochdruckmittel unterscheiden sich hierbei nicht (BORHANI, N. O. et al.: J. Am. Med. Ass. 276 [1996], 785). Kurzwirkende Dihydropyridinkalziumantagonisten wie Nifedipin (ADALAT u.a.) oder Isradipin haben für die Mehrheit der Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen einschließlich Bluthochdruck den Status von Reservemitteln (CHOBANIAN, A. V.: J. Am. Med. Ass. 276 [1996], 829).


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