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Herzklappenfibrosen unter Migränemitteln auf Mutterkornbasis: Ergotalkaloide wie die dopaminergen PARKINSON-Mittel Bromocriptin (PRAVIDEL u.a.) und Lisurid (DOPERGIN u.a.) oder das im Migräneanfall angewendete Ergotamin (MIGREXA u.a.) können nach längerem Gebrauch retroperitoneale und pleuropulmonale Fibrosen hervorrufen. Das Migräneprophylaktikum Methysergid (DESERIL RETARD) darf wegen dieses Risikos nur in Zyklen von maximal vier Monaten eingenommen werden (a-t 1 [1995], 8). Die Bindegewebsvermehrung erfasst bisweilen auch das Endokard: Eine 66jährige mit migräneartigen Kopfschmerzanfällen, die sich acht Jahre lang täglich Dihydroergotamin (DIHYDERGOT u.a.) intramuskulär spritzt, häufig ergänzt durch rektale Anwendung von Ergotamin plus Ethenzamid (früher: ERGO SANOL), leidet zunehmend unter Atemnot bei Belastung. Einige Monate später kommt sie mit Herzrasen und Beklemmungsgefühl in der Brust in ein Krankenhaus. Echokardiographisch und mit Farbdoppler fallen ein vergrößerter rechter Vorhof und Ventrikel, schwere Trikuspidalinsuffizienz sowie mittelgradige Mitralstenose und Aorteninsuffizienz auf. Ein operativer Ersatz der stark verdickten Trikuspidalklappe wird erforderlich. Histologisch stellt sich das Klappengewebe durch zellarme Faseranteile zerstört dar. Hinweise auf akut-entzündliche oder postrheumatische Klappenveränderungen finden sich nicht (Bremer Modell/NETZWERK-Bericht 9086). Unter Methysergid, vereinzelt auch unter Ergotamin und Dihydroergotamin, sind Fibrosen des Endokards mit operationsbedürftigen Veränderungen an den Herzklappen beschrieben. Der feingewebliche Befund ähnelt der Klappenerkrankung, die im Rahmen eines Karzinoid-Syndroms (serotoninproduzierender Tumor) auftreten kann (siehe unten). In der chemischen Struktur von Serotonin, Methysergid und Ergotamin finden sich Übereinstimmungen. Ein direkter, über Serotoninrezeptoren vermittelter Effekt ist jedoch unwahrscheinlich. Möglicherweise sind immunogene entzündliche Reaktionen an der Fibrosierung beteiligt, zumal retroperitoneale und pleuropulmonale Bindegewebsvermehrungen anfangs reversibel und durch Kortikosteroide beeinflussbar sein sollen (WILLE, H., et al.: intern. praxis 37 [1997], 377)


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