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Aus für Stickstoffmonoxid (NO)? Die schwedische Behörde für Medizinprodukte stoppt die Anwendung von inhalativem Stickstoffmonoxid (NO) bei beatmeten Patienten mit akuter Schocklunge (ARDS). Für andere Indikationen werden Genehmigungen in Zukunft nur ausnahmsweise erteilt. Anlass sind erste Ergebnisse einer offenen randomisierten Multizenterstudie: 85 von 161 Intensivpatienten, die auf Probeinhalationen des Gases mit einem Anstieg des Sauerstoffpartialdrucks um mindestens 20% reagiert haben, werden neben der üblichen Behandlung mit NO-Zusatz beatmet. Die Anwendung von Stickstoffmonoxid beeinflusst nicht die Rückbildung des akuten Lungenversagens oder die Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. der Intensivstation. Nach 30 bzw. 90 Tagen sind 44% bzw. 52% der NO-Exponierten verstorben im Vergleich zu 40% bzw. 44% unter ausschließlich konventioneller Therapie. Das Gas scheint zudem die Nieren zu schädigen: In der Behandlungsgruppe muss jeder Dritte (32%) dialysiert werden, ohne das Gas nur jeder Siebente (14%). Auch Kreislaufversagen und Infektionen bis hin zur Sepsis kommen unter NO häufiger vor. Zwei weitere bisher nicht vollständig veröffentlichte Doppelblindstudien aus Frankreich bzw. den USA sollen ebenfalls keinen Nutzen der Inhalation von Stickstoffmonoxid belegen (Schwedische Behörde für Medizinprodukte: Pressemitteilung vom 5. Nov. 1997; AGA AB: Schreiben vom 28. Okt. 1997). Schon seit Jahren ist bekannt, dass die Blutungszeit verlängernde Wirkung von NO bei eingeschränkter Plättchenfunktion zu tödlichen Hirnblutungen führen kann (JOANNIDIS, M. et al.: Lancet 348 [1996], 1448). Das nicht als Arzneimittel zugelassene Gas wird in Ländern wie Deutschland und Österreich zwischenzeitlich in zahlreichen Kliniken als Therapieversuch außerhalb klinischer Studien beworben und verwendet. Die neuen Daten legen erneut nahe, diese Praxis umgehend zu stoppen. Kommt es zu Komplikationen wie Blutungen oder Lungenödemen, haften die anwendenden Ärzte bzw. der Krankenhausträger (a-t 11 [1996], 106; 1 [1997], 2), -Red.


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