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Kausalzusammenhang zwischen Leberschäden und Cumarin (in VENALOT DEPOT) jetzt belegt? Nach nur 16tägiger Einnahme des Venenmittels VENALOT DEPOT (Cumarin plus Troxerutin) stellt der behandelnde Arzt bei einer 57-jährigen Kassiererin einen massiven Ikterus fest. Leberspezifische Enzyme sind deutlich erhöht, Bilirubin auf 8,8 mg/dl angestiegen. Nach Absetzen verschwindet der Ikterus langsam (NETZWERK-Bericht 9688). Vier weitere Berichte an das NETZWERK beschreiben Hepatitiden (2244, 6977, 7066, 7286), ein anderer Leberenzymerhöhungen (8983) in Verbindung mit Cumarin-haltigen Präparaten. Nachdem 1996 die französische Arzneimittelüberwachungsbehörde die Zulassung cumarinhaltiger Venenmittel wegen Hepatotoxizität widerrief (vgl. a-t 3 [1997], 27), leitete die bundesdeutsche Aufsichtsbehörde im Mai 1997 zumindest ein Stufenplanverfahren ein (Pharm. Ztg. 142 [1997], 2058). Nun gibt es neue Erkenntnisse zum Schädigungsmechanismus. Wahrscheinlich ist die Entgiftung von Cumarin behindert: Bei niedriger Cytochrom P-450 2A6-Aktivität wird der Wirkstoff nicht ausreichend verstoffwechselt, und es reichert sich potentiell lebertoxisches Cumarin-3,4-Epoxid an (BfArM: Schreiben vom 5. Nov. 1998). Eine Genotypisierung von Cytochrom P-450 2A6 ist jetzt möglich. Bei Verdacht auf eine durch synthetisches Cumarin* ausgelöste Leberschädigung führt in Berlin das Institut für Klinische Pharmakologie des Klinikums der Humboldt-Universität Charité (Tel. (0 30( 28 02 21 74) entsprechende Analysen durch. Man darf gespannt sein, ob die Aufsichtsbehörde nach erneutem Erkenntnisgewinn endlich handeln wird. Uns erscheint es zwingend erforderlich, das letzte Cumarin-haltige Produkt (VENALOT DEPOT) wegen negativer Nutzen-Risiko-Abwägung rasch vom Markt zu nehmen, -Red.

*

Für Cumarin-Antikoagulantien wie Phenprocoumon (MARCUMAR u.a.), die ebenfalls Hepatitiden auslösen können (a-t 1 [1994], 15), ist dieser Verstoffwechselungsweg bislang nicht untersucht, -Red.


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