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Nebenwirkungen

TOD DURCH LUNGENEMBOLIE
UNTER KONTRAZEPTIVA DER DRITTEN GENERATION

Das neuseeländische Gesundheitsministerium wiederholt seine Warnung, dass Frauen, die Kontrazeptiva der sogenannten dritten Generation mit Desogestrel (in LOVELLE u.a.) oder Gestoden (in FEMO VAN u.a.) einnehmen, nach übereinstimmender Erkenntnis aus mehreren Studien ein doppelt so hohes Risiko venöser Thromboembolien eingehen als Verwenderinnen niedrigdosierter Kontrazeptiva mit Levonorgestrel (in MICROGYNON u.a.) oder Norethisteron (in CONCEPLAN M u.a.). Von Januar 1993 bis Juni 1998 erhielt das neuseeländische Nebenwirkungskomitee sechs Berichte über Tod durch Lungenembolie in Verbindung mit Kontrazeptiva der dritten Generation, jedoch keine entsprechende Meldung in Assoziation mit anderen empfängnisverhütenden Mitteln.1

Insgesamt wurde in Neuseeland seit 1987 46-mal über tödliche und nichttödliche venöse Thromboembolien in Verbindung mit Pillen der dritten Generation berichtet und 9-mal nach anderen niedrigdosierten Kontrazeptiva. 16 von 17 Meldungen zu Lungenembolien stehen in Zusammenhang mit Drittgenerationspillen. Das Cyproteronazetat-haltige DIANE 35 wird achtmal mit venösen Thromboembolien in Verbindung gebracht, darunter drei nichttödliche Lungenembolien.1

Die neuseeländische Gesundheitsbehörde distanziert sich ausdrücklich davon, dass einige Experten die besonderen Risiken der Drittgenerationspillen als "Artefakt" herunterspielen. In Deutschland folgen hingegen selbst Gerichte dieser von Herstellern gesteuerten Argumentation (a-t 4 [1998], 38; 7 [1998], 61).1 Auch die Weltgesundheitsorganisation bleibt nach Sichtung der Daten dabei, dass ein Zusatzrisiko vorliegt.2

Wir sehen für Desogestrel- und Gestoden-haltige Ethinyl-Kontrazeptiva keinen Nutzen, der sich nicht durch andere estradiol + Präparate erzielen ließe. Die Abwägung von Nutzen und Risiken bleibt somit negativ (a-t 5 [1997], 52).

1

Prescriber Update 17 (1998), 12

2

WHO: "Cardiovascular Disease and Steroid Hormone Contraception", WHO technical report series 877, Genf 1998


© 1999 arznei-telegramm

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