Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm® kennenlernen! Digital, print oder kombiniert.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2000; 31: 29-30nächster Artikel
Netzwerk aktuell

Quälender Juckreiz nach Hydroxiethylstärke (HAES-STERIL u.a.) wegen Hörsturz: Eine 56-jährige Frau erhält wegen eines Hörsturzes innerhalb von drei Wochen 14 Infusionen mit 500 ml 6%iger Hydroxiethylstärke (HES; HAES-STERIL u.a.). Vier Wochen danach leidet sie unter zunehmendem Juckreiz, verstärkt durch Wärme, zum Beispiel beim Duschen. Antihistaminika helfen nicht (NETZWERK-Bericht 10.419). Im NETZWERK dokumentieren wir insgesamt 25 Berichte über Juckreiz nach HES-Infusionen. Häufigster Verordnungsgrund ist Hörsturz (vgl. a-t 1990; Nr. 2: 25 und Nr. 6: 57). Größere Stärkemoleküle, die unter anderem in LANGERHANS-Zellen der Haut abgelagert werden, sollen die Beschwerden auslösen. Eine Überempfindlichkeitsreaktion scheint nach heutiger Kenntnis keine Rolle zu spielen. Dafür spricht auch die Dosisabhängigkeit des Störeffektes. Typischerweise wird die Komplikation nach mehrwöchiger Infusionsbehandlung - z.B. wegen Hörsturz - beschrieben, hier sind zwei von drei Behandelten betroffen. Nach kurzfristiger Anwendung als Volumenersatz ist die Störwirkung dagegen selten. Der quälende, als brennend beschriebene Juckreiz beginnt meist erst einige Wochen nach Ende der Therapie. Heißes Duschen, enge Kleidung und Schwitzen können die Attacken auslösen oder verstärken. Der Pruritus klingt zwar oft nach Wochen bis Monaten spontan ab, kann aber auch Jahre anhalten. Eine zuverlässige Therapie ist nicht bekannt. Antihistaminika und Glukokortikoide bleiben in der Regel ohne Nutzen. Kaltes Duschen wird oft als angenehm empfunden. In Einzelfällen wird Besserung nach topischem Capsaicin (CAPSAMOL) beschrieben, das aber nicht immer vertragen wird (BORK, K.: "Arzneimittelnebenwirkungen an der Haut", 2. Aufl., Schattauer, Stuttgart 1999, Seite 316-7; SPEIGHT, E.L. et al.: BMJ 1997; 314: 1466-7/ati d). Akuter Hörsturz bildet sich bei 60% der Betroffenen spontan zurück. Für Infusionen mit HES oder anderen Stoffen wie Pentoxifyllin (TRENTAL u.a.) fehlen Wirksamkeitsbelege (a-t 1997; Nr. 8: 83-5). Mit Rückenschmerzen, Nierenversagen und Schock ist unter HES zusätzlich zu rechnen.

© 2000 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 2000; 31: 29-30nächster Artikel