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Nebenwirkungen

DEPRESSION UNTER ISOTRETINOIN
(ROACCUTAN): ERNEUTE WARNUNG IN USA

Packungen mit dem Aknemittel Isotretinoin (ROACCUTAN) sollen in den USA in Zukunft mit einer Broschüre* ausgestattet werden, die die Anwender vor möglichen Nebenwirkungen warnt, darunter Depression und Suizid.1 Bereits 1998 waren die für Fachkreise bestimmten Produktinformationen um den Warnhinweis auf Depression, Psychose und Suizid ergänzt worden (a-t 1998; Nr. 4: 43). Der Arzneimittelbehörde FDA liegen allein aus den USA 37 Berichte über Selbsttötung während oder nach Einnahme von Isotretinoin vor. 284-mal wird über Depression in Verbindung mit dem Retinoid berichtet. 110 weitere Meldungen betreffen stationär behandelte Patienten mit schwerer Depression, Suizidgedanken oder Suizidversuch. 41 Berichte zu Depression, die sich nach Absetzen bessert und bei erneuter Einnahme wieder auftritt, sprechen für einen Zusammenhang. Der Pathomechanismus ist nicht bekannt. Retinoid-Rezeptoren kommen im Gehirn jedoch vor. Psychiatrische Störwirkungen sind auch von anderen Retinoiden beschrieben, so von Etretinat (früher: TIGASON) sowie von hoch dosiertem Vitamin A (A-VICOTRAT u.a.) und Tretinoin (VESANOID).2

Eine vom Hersteller finanzierte retrospektive Kohortenstudie lässt kein erhöhtes Depressions- oder Suizidrisiko unter Isotretinoin erkennen.3 Nach Einschätzung von FDA-Vertretern ist die Studie jedoch wenig aussagekräftig. So besteht der Verdacht, dass auf Grund des Designs Depression unter der Einnahme zu selten erkannt wurde, weil die Patienten nicht selbst befragt wurden.2 Dass retrospektive Auswertungen von Datenbanken zur Klärung der Zusammenhangsfrage versagen, ist zudem bekannt. Unerwünschte Folgen werden oft erst dann erkannt und registriert, wenn Hinweise die Auf- merksamkeit in diese Richtung gelenkt haben. Die deutsche Fachinformation4 erwähnt den Verdacht auf erhöhtes Suizidrisiko nach wie vor nicht. Roche plant jedoch offenbar auch hierzulande die Einfügung eines erweiterten Warnhinweises.5

FAZIT: Das Aknemittel Isotretinoin (ROACCUTAN) steht im Verdacht, Depressionen, Suizidgedanken und Suizid auszulösen. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA sieht jetzt eine Warnung der Anwender vor.

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