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Milzbrand aktuell: Die letzte tödliche Milzbrand (Anthrax)-Infektion gab es in Deutschland vor 25 Jahren. Etwa neun von zehn an Lungenmilzbrand erkrankte Personen sterben unbehandelt, bei Hautmilzbrand einer bis zwei von zehn Erkrankten. Das klassische Therapeutikum ist Penicillin G. Nach Inhalation der sporenbildenden Bacillus-anthracis-Stäbchen wird heute hoch dosiertes Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) oder Doxycyclin (DOXYCYCLIN AL* u.a.) empfohlen, ferner ein Penizillin wie Prokain-Penicillin G (JENACILLIN O u.a.; vgl. blitz-a-t vom 15. Okt. 2001; CDC: http://www.fda.gov/cder/drug/infopage/penG_doxy/default.htm). Da Sporen im Körper infizierter Personen überdauern, sind die Antibiotika 60 Tage anzuwenden. Dies lässt sich nur bei konkretem Verdacht auf inhalativen Kontakt mit Anthrax rechtfertigen und nicht bei Angst vor einer möglichen Bedrohung. Beträchtliche Unverträglichkeiten und Resistenzausbreitung sind bei breiter prophylaktischer Einnahme des Gyrasehemmers zu befürchten (HART, C.A., BEECHING, N.J.: BMJ 2001; 323: 1017-8). Um die noch relativ gute Resistenzsituation von Ciprofloxacin nicht zu gefährden, wird in den USA inzwischen eher Doxycyclin bevorzugt (MMWR 2001; 50: 941-8), möglicherweise aber auch aus Kostengründen. Sind bereits deutliche Symptome der Erkrankung aufgetreten, sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit der antibakteriellen Therapie drastisch. Impfstoffe gegen Milzbrand sind in Deutschland weder zugelassen noch kurzfristig erhältlich. Nach Kontakt mit dem Erreger werden zur Desinfektion der Hände nach gründlichem Waschen 0,2% Peressigsäure (z.B. WOFASTERIL; 2 x 1 Minute) und zur Oberflächendesinfektion 1% Peressigsäure (Einwirkzeit 30 Minuten) oder Formaldehyd (2 Stunden, danach gut lüften) empfohlen (Robert-KOCH-Institut: Stichwort Bioterrorismus unter http://www. rki.de).

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