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Korrespondenz

KRITISCH KRANKE: NUTZEN VON INSULIN ODER SCHADEN DURCH GLUKOSE?

Mit viel Interesse las ich Ihren Beitrag zur hoch dosierten postoperativen Insulintherapie bei IntensivstationspatientInnen (a-t 2001; 32: 115-6). Allerdings wird meines Wissens in den seltensten Fällen bereits unmittelbar postoperativ eine Infusionstherapie mit 200 g bis 300 g Glukose/Tag verabreicht, wie in der von Ihnen referierten Studie in beiden Studienarmen geschehen.
Könnte also das schlechtere Abschneiden der Kontrollgruppe nur an übermäßiger Glukosezufuhr liegen? ...

R. GATZ (Facharzt für Anästhesie)
D-26721 Emden

Wir finden keine Belege dafür, dass die Infusion von 200 g bis 300 g Glukose pro Tag unter Vermeidung von Blutzuckerspiegeln über 215 mg%1 für Traumapatienten schädlich ist. Nach der spärlichen vorliegenden Literatur ist diese Dosierung bei parenteraler Ernährung mit Kohlenhydraten nach einer Operation durchaus üblich.2 Es werden zwar auch geringere Glukosemengen für den ersten postoperativen Tag empfohlen (100 g bis 200 g).3 Valide Vergleiche zwischen niedrig und höher dosierter Glukoseinfusion gibt es unseres Wissens jedoch nicht.

Nach einer Metaanalyse zur Ernährung kritisch kranker Patienten bietet die totale parenterale Ernährung keinen sicheren Vorteil, führt aber möglicherweise häufiger zu Komplikationen. Diskutiert wird ein Zusammenhang des höheren Komplikationsrisikos mit der intravenösen Zufuhr von Fetten. Ein Zusammenhang mit der Menge der infundierten Glukose findet sich nicht.4 Wahrscheinlich ist es günstig, wenn möglichst frühzeitig auf enterale Ernährung umgestellt wird.5 In der Studie zur Hochdosis-Insulin-Therapie bei kritisch Kranken wurde nach dem ersten Tag, an dem alle Patienten intravenös Glukose erhielten, möglichst rasch eine enterale Ernährung angestrebt.1

Derzeit ist unseres Erachtens aus dieser Studie die Folgerung abzuleiten, dass bei initialer parenteraler Ernährung von Traumapatienten mit Glukose eine begleitende Insulintherapie so dosiert werden soll, dass der Blutzucker möglichst im Normbereich liegt. Weitere Studien zu Nutzen und Risiken von Ernährungsregimen in der Intensivmedizin sind aber erforderlich und in naher Zukunft auch zu erwarten, -Red.

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