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Lamivudin (ZEFFIX) bei Kindern mit chronischer Hepatitis B: Zur Therapie der chronischen Hepatitis B Erwachsener stehen Interferon alfa (INTRON A u.a.) und das Nukleosidanalogon Lamivudin (ZEFFIX; a-t 1999; Nr. 11: 115) zur Verfügung. Die initialen Ansprechraten sind ähnlich (ca. 20%; SCHALM, S.W. et al.: Gut 2000; 46: 562-8). In den USA ist Interferon alfa auch für Kinder zugelassen, hierzulande ist die Verwendung trotz fehlender Zulassung etabliert. Lamivudin soll dagegen bei Kindern nur im Rahmen klinischer Studien verwendet werden (Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung: Leitlinien Hepatitis B; www.gpge.de/ll_hepatitis.html). In einer randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten Studie werden nun Wirksamkeit und Sicherheit von Lamivudin bei zwei- bis siebzehnjährigen Kindern und Jugendlichen mit serologisch nachgewiesener chronisch-aktiver Hepatitis B untersucht. Einschlusskriterien sind ferner Glutamat-Pyruvat-Transaminasen (GPT)-Werte von mindestens dem 1,3fachen der oberen Norm, HBV-DNA im Serum und Zeichen der Entzündung in der Leberbiopsie. 191 Patienten erhalten zunächst ein Jahr lang Lamivudin (3 mg/kg Körpergewicht pro Tag, max. 100 mg täglich), 97 Plazebo. Anschließend folgt, je nach HBe-Antigenstatus, eine offene Behandlung mit Lamivudin (Open-Label-Phase) oder eine zweijährige Nachbeobachtungsphase ohne Therapie. Primärer Endpunkt ist das so genannte "virologische Ansprechen" nach einem Behandlungsjahr als Kombination aus Verschwinden von HBe-Antigen und HBV-DNA im Serum (wird als Zeichen dauerhafter Remission interpretiert). Auftreten eines Lamivudin-resistenten Virusstammes (YMDD-Variante) wird durch Genotypisierung als so genannte "genotypische Resistenz" bestimmt. Virologisches Ansprechen wird bei 23% der Kinder unter Lamivudin und 13% unter Plazebo beobachtet. Höhere Ausgangswerte für GPT und stärkere histologische Entzündungsaktivität sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit des virologischen Ansprechens verknüpft. 19% der 161 untersuchten Patienten in der Lamivudin-Gruppe weisen Viren mit genotypischer Resistenz auf. Die Konzentration von HBV-DNA und GPT wird auch bei diesen Kindern während des Behandlungsjahres signifikant gesenkt, aber nur bei einem verschwindet HBeAg als (weiterer) Marker der Virusreplikation. Daten der Open-Label-/Nachbeobachtungsphase sind bisher nur für die ersten sechs Monate veröffentlicht: Durch neuerliche Lamivudin-Anwendung kann ein virologisches Ansprechen bei 10% der 123 behandelten Patienten erzielt werden. Bei 82% (33 von 40) der nach initialem virologischen Ansprechen nur nachbeobachteten Patienten hält der Effekt im berichteten Zeitraum an. Die Autoren erachten Lamivudin bei Kindern für sicher und folgern, dass die Therapie zwar nicht hoch effektiv, aber doch wirksamer als Plazebo ist. Auswahl von Patienten mit GPT-Serumkonzentrationen von mindestens dem Zweifachen der Norm scheint die Ansprechrate zu erhöhen. Zusätzliche Ansprechraten, die mit Therapieverlängerung auf mehr als ein Jahr erzielt werden, dürften durch die Entwicklung genotypischer Resistenz limitiert werden (JONAS, M.M. et al.: N. Engl. J. Med. 2002; 346: 1706-13).

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