Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Kein Abonnent? Das arznei-telegramm® finanziert sich ausschließlich über Abonnements.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2002; 33: 120 
Nebenwirkungen

ECHINACEA (ECHINACIN U.A.) - WER IST
DURCH UNVERTRÄGLICHKEIT GEFÄHRDET?

In Australien scheinen Arzneimittel jenseits der Schulmedizin genauso beliebt zu sein wie in Deutschland. Aus Adelaide wird über Besonderheiten der Unverträglichkeit von Echinacea-Produkten (ECHINACIN u.a.) berichtet. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es sich bei vier der fünf von den Autoren beobachteten Personen, die auf Echinacea-Zubereitungen allergisch reagierten, um Atopiker handelt. Von den 51 Störwirkungsberichten, die der australischen Behörde zu Echinacea-Präparaten zugingen, werden 26 (51%) als IgE-vermittelte Überempfindlichkeitsreaktionen eingestuft: Anaphylaxie (4), akutes Asthma (12) und Urtikaria/Angioödem (10).1 Überwiegend sind Frauen betroffen (78%) und zu mehr als 50% Atopiker. Von den mit Anaphylaxie oder Bronchospasmen Reagierenden haben sogar 70% eine atopische Disposition. Mindestens vier (15%) der 26 Störwirkungen treten nach erstmaliger Einnahme eines Purpursonnenhut-Extraktes auf.

Sensibilisierung scheint verbreitet zu sein: 20 von 100 atopischen Patienten, von denen 97 niemals Echinacea verwendet haben, reagieren positiv auf einen Hautpricktest mit dem Extrakt. Die Autoren halten Kreuzreaktivität mit verbreiteten Vertretern der Pflanzenfamilie der Asteraceae (Compositae), zu der neben Purpursonnenhut auch Beifuß, Sonnenblumen und Chrysanthemen gehören, für eine mögliche Erklärung der auffallend häufigen allergischen Reaktionen ohne vorherige Exposition.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind seit 1987 101 Berichte zu unerwünschten Wirkungen von Echinacea-haltigen Arzneimitteln zugegangen. 60% betreffen allergische Reaktionen. Welchen Anteil davon Atopiker haben, lässt sich den vorhandenen Berichten nicht entnehmen.2 Drei von uns befragte Firmen nennen insgesamt 117 Verdachtsberichte: Schaper & Brümmer (ESBERITOX N, - MONO): 89 Berichte, davon 17 bei Atopikern/Allergikern,3 Madaus (ECHINACIN): 25 Berichte ab 1997, davon 13 zu allergischen Reaktionen4 und Stada (ECHINACEA STADA): 3 allergische Reaktionen, davon zweimal stationäre Einweisung erforderlich.5

Im NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION überblicken wir insgesamt 24 Berichte in Verbindung mit Echinacea-haltigen Präparaten, davon 10, die mit einer IgE-vermittelten Hypersensitivitätsreaktion vereinbar sind (vgl. a-t 1999; Nr. 3: 40). Von zwei der Betroffenen mit schwerer sowie lebensbedrohlicher Unverträglichkeit ist bekannt, dass sie Atopiker sind (2.531, 1.069). Der Extrakt wurde jeweils intravenös injiziert. Diese Zubereitung ist seit 1996 wegen häufiger Immunreaktionen vom Markt (a-t 1996; Nr. 12: 123).

Atopiker scheinen besonders durch schwerwiegende Unverträglichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie und akute Asthmaanfälle gefährdet zu sein, wenn sie Echinacea-Extrakte (ECHINACIN u.a.) einnehmen. Von Kreuzsensibilisierungen mit Pflanzen(-produkten) derselben Familie (Asteraceae) ist auszugehen. Atopiker müssen unseres Erachtens Echinacea-Produkte meiden - zumal nach wie vor hinreichende Nutzenbelege ausstehen,1,6 -Red.

© 2002 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 2002; 33: 120