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Blutdruckanstieg unter Duloxetin (YENTREVE, CYMBALTA): Eine 66-Jährige mit Belastungsinkontinenz wacht nach Einnahme einer Tablette Duloxetin (YENTREVE, a-t 2004; 35: 120) aus dem Nachtschlaf auf mit Angst, Unruhe, Herzklopfen, Sehstörungen, Schwindel mit Torkeln, Mundtrockenheit und vermehrtem Harndrang. Der Blutdruck ist bis auf 200/120 mmHg angestiegen. Nach Absetzen des Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers (SNRI) ist sie "wieder komplett hergestellt" (NETZWERK-Bericht 13.451). Laut US-amerikanischem Bewertungsbericht zu Duloxetin als Antidepressivum* fällt bei gemeinsamer Auswertung von Sicherheitsdaten aus Studien zu Depression und zu Belastungsinkontinenz dosisabhängiger Blutdruckanstieg auf. Unter Duloxetin werden bei bis zu 24% erhöhte systolische Werte gemessen (Plazebo 9%) sowie bei bis zu 19% erhöhte diastolische Werte (Plazebo 8%; FDA: Med. Review CYMBALTA; http://www.fda.gov/cder/ foi/nda/2004/021427_s000_Cymbalta.htm). In der US-amerikanischen Produktinformation werden daher regelmäßige Blutdruckkontrollen empfohlen (http://pi.lilly.com/us/cym balta-pi.pdf). In den deutschen Fachinformationen von Duloxetin, das seit Februar auch als Antidepressivum (CYMBALTA) angeboten wird, ist der auch für andere SNRI wie Venlafaxin (TREVILOR) und das als Appetithemmer vermarktete Sibutramin (REDUCTIL; a-t 2003; 34: 88) beschriebene Blutdruckanstieg nicht erwähnt (Boehringer Ingelheim/Lilly: Fachinformationen YENTREVE, Stand August 2004; CYMBALTA, Stand Dezember 2004). Es findet sich lediglich bei CYMBALTA der Hinweis auf "entsprechende Blutdruckkontrolle" bei "Patienten mit bekanntem Bluthochdruck und/oder anderen Herzerkrankungen". Diesen Hinweis empfinden wir als nebulös und unzureichend, -Red.

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In den USA hat Lilly den Antrag auf Zulassung bei Inkontinenz im Januar 2005 zurückgezogen (a-t 2005; 36: 23).

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