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Nebenwirkungen

USA: INDIKATIONSEINSCHRÄNKUNGEN FÜR TELITHROMYCIN (KETEK) EMPFOHLEN

* Vorversion am 20. Dez. 2006 als blitz-a-t veröffentlicht.

Das Makrolid-Analogon Telithromycin (KETEK) ist hierzulande zur Behandlung bei ambulant erworbener Pneumonie, Exazerbation einer chronischen Bronchitis, akuter Sinusitis sowie Tonsillitis/Pharyngitis durch betahämolysierende A-Streptokokken zugelassen. Das für die Bewertung von Antiinfektiva zuständige Beratergremium der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA stimmt jetzt mit 17 gegen 2 Stimmen dafür, die Indikationen von Telithromycin ausschließlich auf die Behandlung ambulant erworbener Pneumonien einzuschränken. Bei anderen Indikationen überwiegt nach Einschätzung des Gremiums der Schaden den Nutzen.1 Hepatotoxizität (a-t 2006; 37: 23), Verschlechterung einer Myasthenia gravis (a-t 2003; 34: 56), Sehstörungen (a-t 2001; 32: 99-100) und Bewusstseinsverlust gelten als wesentliche Sicherheitsprobleme.

Bis April 2006 gingen der FDA 110 Berichte über Leberschäden in Verbindung mit Telithromycin zu, 35 davon mit akutem Verlauf einschließlich einer Lebertransplantation infolge Leberversagens und vier Todesfällen. Auf der Basis der US-amerikanischen Nebenwirkungsberichte ist Leberversagen unter Telithromycin drei- bis viermal häufiger aufgefallen als beispielsweise unter Moxifloxacin (AVALOX u.a.). Besondere Bedenken bestehen, weil sich die Leberschädigung rasch entwickelt.1

Der FDA liegen zudem 15 Berichte zu Exazerbationen einer Myasthenia gravis vor. Diese treten überwiegend bereits nach Einnahme der ersten Dosis auf. Bei mindestens sechs Patienten wurde eine Intubation erforderlich.1 Sehstörungen (vor allem verschwommenes Sehen und Doppeltsehen) und Bewusstseinsverlust können sich unter der Behandlung entwickeln. Zwei Patienten wurden bewusstlos, während sie ein Auto lenkten. Ein Fußgänger wurde dabei getötet.1

Die FDA sieht sich im Übrigen mit Vorwürfen konfrontiert, dass die ursprüngliche Befürwortung der Zulassung von Telithromycin durch die Berater weitgehend auf einer Sicherheitsstudie beruhte, die durch Dateninkonsistenz und Fälschungen aufgefallen ist. Ein ehemaliger FDA-Mitarbeiter, der das Zulassungsreview für Telithromycin bearbeitet hat, wurde nach eigenen Aussagen unter Druck gesetzt, das Review abzumildern, um eine Zulassung zu ermöglichen.1

Innerhalb der Europäischen Union sollen bis Januar 2007 Nutzen und Schaden der Anwendung von Telithromycin indikationsbezogen neu bewertet werden. Bislang erachtet die europäische Behörde das Nutzen-Schaden-Verhältnis trotz wiederholter Anwendungseinschränkungen "weiterhin als günstig".2 Diese Einschätzung können wir nicht nachvollziehen: Bereits bei der Markteinführung sahen wir für das Makrolid-Analogon Telithromycin "keine Indikation in der ambulanten Versorgung", auch nicht bei Pneumonie, -Red.

 

1

Scrip 2006; Nr. 3219: 20

 

2

BfArM: Pressemitteilung vom 22. Dez. 2006

 
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