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IRREFÜHRENDE WERBUNG FÜR CABERGOLIN-GENERIKA

Die Publikation zweier Studien über Herzklappenschäden unter den ergolinen Dopaminagonisten Cabergolin (CABASERIL u.a.) und Pergolid (PARKOTIL u.a.) führte im Frühjahr 2007 in den USA zur Marktrücknahme Pergolid-haltiger Präparate (a-t 2007; 38: 49). In Kanada beendet Anbieter Eli Lilly den Verkauf Ende August.1 In Deutschland bzw. der EU sind beide Wirkstoffe seit Jahren Gegenstand von Risikobewertungs- und Stufenplanverfahren. Obwohl bereits seit November 2004 für Pergolid und seit Februar 2007 für Cabergolin Indikationseinschränkungen vorgesehen sind, die beiden Reservestatus zuweisen, wenn eine Behandlung mit einem nicht ergolinen Dopaminagonisten wie Pramipexol (SIFROL) nicht oder nicht ausreichend wirksam ist, nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, werden die Änderungen erst zum 25. Oktober 2007 verbindlich.2

Während die Originalanbieter ihre Fachinformationen im November 20043 bzw. April 20074 angepasst haben, nutzen einige Generikahersteller, beispielsweise Sandoz für Pergolid oder Stada für Cabergolin, diese Frist offenbar maximal aus. Besonders Cabergolin wird seit einiger Zeit massiv beworben - vermutlich, um noch vor Inkrafttreten der Änderungen Patienten und Verordner zu binden. In der Zeitschrift "Nervenarzt" erscheinen seit Monaten ganzseitige Anzeigen verschiedener Generikaanbieter mit Aussagen wie "CABERGOLIN STADA ruhig verordnen" oder "CABERGOLIN SANDOZ - das Leben genießen". Hinweise auf die Sicherheitsbedenken oder den im April 2007 vom Originalanbieter Pfizer/Pharmacia versendeten "Rote Hand"-Brief fehlen. Sandoz geht sogar soweit, statt der seit Februar 2007 aktualisierten Fachinformation, in der Cabergolin als zweite Wahl eingestuft ist, als Stand der Kenntnis "01/2007" anzugeben,5 um in der Werbung ungehindert die alten, noch nicht eingeschränkten Anwendungsgebiete nennen zu können. Wir erachten die Informationspolitik der Generikahersteller als Skandal, -Red.

 

1

Lilly (Kanada)/Health Canada: Pressemitteilung vom 16. Aug. 2007

 

2

BfArM: Stufenplanverfahren zu Dopaminagonisten, Bescheid vom 30. Juli 2007

 

3

Lilly: Fachinformation PARKOTIL, Stand Nov. 2004

 

4

Pfizer/Pharmacia GmbH: Fachinformation CABASERIL, Stand Apr. 2007

 

5

Sandoz: Werbung zu CABERGOLIN SANDOZ im Nervenarzt 2007; 78, Heft 8

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