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Neu auf dem Markt

ME-TOO: OSTEOPOROSEMITTEL BAZEDOXIFEN (CONBRIZA)

Gut zwölf Jahre nach Einführung des selektiven Östrogenrezeptor-Modulators (SERM) Raloxifen (EVISTA, OPTRUMA; a-t 1998; Nr. 9: 81-2) ist jetzt mit Bazedoxifen (CONBRIZA) ein zweiter "SERM" zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose in Deutschland auf dem Markt. Bazedoxifen wurde am 15. Dezember 2010 in den Handel gebracht und entgeht damit knapp dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG, vgl. a-t 2010; 41: 101-3), das seit Jahresbeginn eine frühe Nutzenbewertung neu zugelassener Arzneimittel durch den Gemeinsamen Bundesausschuss vorsieht.

EIGENSCHAFTEN: Bazedoxifen soll östrogenartige Effekte auf Skelett und Lipidstoffwechsel ausüben, aber östrogenantagonistische Wirkungen auf Brust- und Gebärmuttergewebe.1

KLINISCHE WIRKSAMKEIT: Hauptzulassungsstudie ist eine multizentrische doppelblinde plazebo- und verumkontrollierte Phase-III-Studie mit insgesamt 7.492 Frauen nach den Wechseljahren, bei denen aufgrund von Wirbelfrakturen (56%) oder erniedrigter Knochendichte eine Osteoporose diagnostiziert wird. Sie nehmen nach randomisierter Zuteilung täglich 20 mg oder 40 mg Bazedoxifen, 60 mg Raloxifen oder Plazebo ein, zusätzlich zu täglich bis zu 1.200 mg Kalzium und 400 I.E. bis 800 I.E. Vitamin D. Primärer Endpunkt ist die kumulative Rate neuer, durch radiologisches Screening erfasster Wirbelbrüche innerhalb von drei Jahren. Bazedoxifen mindert diese Rate im Vergleich zu Plazebo ebenso wie Raloxifen (20 mg: 2,3%, 40 mg: 2,5%, Raloxifen: 2,3%, Plazebo: 4,1%; Number needed to treat [20 mg] = 56). Keins der Mittel hat einen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit klinisch auffälliger Wirbelbrüche (0,72%, 0,76%, 0,87%, 0,94%) oder nichtvertebraler osteoporotischer Frakturen (5,7%, 5,6%, 5,9%, 6,3%).1,3 Ein Wirkvorteil von Bazedoxifen im Vergleich zu Raloxifen ist nicht belegt. Vergleiche mit der Standardtherapie der Osteoporose, Bisphosphonaten wie Alendronat (FOSAMAX, Generika), fehlen.

UNERWÜNSCHTE WIRKUNGEN: Die häufigsten unerwünschten Effekte sind Hitzewallungen (13% unter täglich 20 mg Bazedoxifen im Vergleich zu 7% unter Plazebo) und Muskelkrämpfe (Krämpfe in den Beinen 11% versus 8%).1,2 Wie Raloxifen steigert Bazedoxifen das Risiko venöser Thromboembolien, in der Hauptzulassungsstudie von 0,3% unter Plazebo auf 0,7% (20-mg-Dosis).3 Das relative Risiko (RR) tiefer Venenthrombosen steigt laut Europäischem Beurteilungsbericht (EPAR) unter der 20-mg-Dosis gegenüber Plazebo auf das Fünffache (RR 4,93; 95% Konfidenzintervall [CI] 1,09-22,93). Numerisch liegt die Rate venöser Thromboembolien unter täglich 20 mg Bazedoxifen zudem höher als unter Raloxifen.1 Im Hinblick auf unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse finden sich laut EPAR insgesamt keine Unterschiede zwischen den Gruppen, zum Teil aber numerisch höhere Raten unter Bazedoxifen als unter Raloxifen,1 für das die RUTH*-Studie ein Risikosignal im Hinblick auf tödliche Schlaganfälle ergeben hat (a-t 2006; 37: 76). Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat vor einer möglichen Zulassung von Bazedoxifen weitere Daten zur Häufigkeit von Schlaganfällen und venösen Thromboembolien gefordert.4 Ein Verträglichkeits- oder Sicherheitsvorteil gegenüber Raloxifen ist nicht belegt.

Im Tierversuch mit Ratten und Affen wurden unter Bazedoxifen gut- und bösartige Nierentumoren beobachtet. Die Relevanz für Menschen ist unklar.1,2 Nierentumoren gehören zu den offenen Sicherheitsfragen, die durch weitere Studien geklärt werden sollen.1

KOSTEN: Bazedoxifen (CONBRIZA) verteuert mit Monatskosten von 59 € für täglich 20 mg die Therapie der postmenopausalen Osteoporose gegenüber Raloxifen (EVISTA, 51 €/Monat für täglich 60 mg) um 15%.

∎  Der neue selektive Östrogenrezeptor-Modulator (SERM) Bazedoxifen (CONBRIZA) mindert bei Frauen mit postmenopausaler Osteoporose durch Screening erfasste Wirbelbrüche, hat aber keinen Einfluss auf klinisch auffällige Wirbelbrüche und nichtvertebrale Frakturen. Ein Wirkvorteil gegenüber dem älteren SERM Raloxifen (EVISTA, OPTRUMA) ist nicht belegt.

∎  Vergleiche mit Bisphosphonaten wie Alendronat (FOSAMAX, Generika), für die auch eine Minderung klinisch auffälliger Brüche einschließlich Hüftfrakturen belegt ist, fehlen.

∎  Das Nebenwirkungsprofil entspricht dem von Raloxifen. Wie Raloxifen steigert Bazedoxifen das Thromboembolierisiko.

∎  Wir sehen keine Indikation für die Scheininnovation.

  (R = randomisierte Studie)
1 EMA: Europ. Beurteilungsbericht (EPAR) CONBRIZA, Stand Feb. 2009
2 Pfizer: Fachinformation CONBRIZA, Stand Mai 2010
R  3 SILVERMAN, S.L. et al.: J. Bone Miner. Res. 2008; 23: 1923-34
4 Scrip vom 8. Mai 2009, Seite 21

* RUTH = Raloxifene Use for The Heart

© 2011 arznei-telegramm, publiziert am 14. Januar 2011

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