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Risperidon-Depot (RISPERDAL CONSTA) bei Schizophrenie nicht besser als perorale Neuroleptika

Als häufigste, zudem vermeidbare Ursache von Therapieversagen unter Neuroleptika gilt die mangelnde Compliance der Patienten. Vorwiegend auf klinischer Erfahrung basierend werden deshalb gerade bei instabilen Patienten Depot-Neuroleptika bevorzugt. Unter den so genannten atypischen Neuroleptika kam zuerst von Risperidon eine Depotform (RISPERDAL CONSTA, a-t 2004; 35: 44) in den Handel. In einer offenen randomisierten Studie wird jetzt in zwei US-amerikanischen Zentren geprüft, ob die Anwendung von Depot-Risperidon bei Patienten mit schizophrenen Erkrankungen und erhöhtem Risiko für stationäre Aufnahmen von Nutzen ist. Als Risiken gelten stationäre Behandlungen in den beiden Vorjahren, gehäufter Bedarf ambulanter Betreuung, hohe Neuroleptikadosierungen und Begleiteinnahme psychotroper Mittel. 40% der insgesamt 369 Patienten sind zu Studienbeginn stationär, 55% wurden in den Vorjahren stationär behandelt, 64% weisen Complianceprobleme mit der neuroleptischen Medikation und 37% einen Alkohol- oder Drogenabusus auf. Nach randomisierter Zuteilung erhalten sie die von ihrem betreuenden Arzt verordneten oralen Neuroleptika weiter oder werden auf Depot-Risperidon umgestellt. Nach Umstellung und Auftitrierung über acht Wochen sind in der Prüfgruppe 17%, 31% bzw. 50% der Dosierungen 25 mg, 37,5 mg bzw. 50 mg Risperidon, die im Mittel 1,5-mal pro Monat intramuskulär injiziert werden. Jeder dritte Patient benötigt zusätzlich orale Neuroleptika. Primärer Endpunkt ist die Zeit bis zur stationären Aufnahme wegen psychiatrischer Erkrankungen. Nach im Median elf Monaten ergeben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Strategien (p = 0,39). Analysen mit Adjustierung nach Risiken oder Ausschluss von Therapiewechslern ändern das Ergebnis nicht. Die Krankheitssymptome werden anhand einer Skala (PANSS*) im Rahmen verblindeter Videokonferenzen erhoben. Sie unterscheiden sich nach 18 Monaten nicht (p = 0,65). Auch andere sekundäre Endpunkte wie Lebensqualität, klinischer Gesamteindruck, motorische und andere Störwirkungen oder Inanspruchnahme ambulanter psychiatrischer Hilfe zeigen keinerlei Unterschied (ROSENHECK, R.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2011; 364: 842-51). Die Ergebnisse bestätigen frühere Vergleiche der bis zu 40fach teureren Depotform mit oralem Risperidon oder anderen Atypika bei stabilen Patienten. Auch für Depotformen klassischer Neuroleptika ist eine bessere Therapietreue im Vergleich zur oralen Therapie nicht belegt (a-t 2009; 40: 23-4). Nachteil der Studie ist, dass die in der Kontrollgruppe eingesetzten oralen Neuroleptika nicht benannt sind - ihre große Stärke liegt in dem realitätsnahen, pragmatischen Ansatz, -Red.

*   PANSS = Positive And Negative Syndrome Scale

© 2011 arznei-telegramm, publiziert am 8. April 2011

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