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Paliperidon-Depot (XEPLION) nicht besser als Haloperidol-Depot (HALDOL-JANSSEN DECANOAT, Generika) bei Schizophrenie

Seit 2011 ist mit Paliperidonpalmitat (XEPLION) ein weiteres so genanntes atypisches Neuroleptikum in Depotform zugelassen (siehe auch Seite 76). Paliperidon ist der aktive Metabolit von Risperidon (RISPERDAL, Generika). Bei Zulassung konnte Nichtunterlegenheit gegenüber Risperidon-Depot, dessen therapeutischer Stellenwert seinerseits umstritten ist (a-t 2004; 35: 44 und 2011; 42: 38), in zwei von drei Studien nicht nachgewiesen werden. In der aktuell publizierten vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health unterstützten ACLAIMS-Studie wird es nun erstmals mit dem klassischen Depotneuroleptikum Haloperidoldecanoat (HALDOL-JANSSEN DECANOAT, Generika) verglichen. 311 Patienten mit Schizophrenie oder schizoaffektiver Störung, bei denen aufgrund bekannter Adhärenz-Probleme und/oder signifikanten Drogenmissbrauchs Gefahr für Therapieversagen besteht, nehmen teil. Doppelblind randomisiert erhalten sie nach peroraler und intramuskulärer Aufdosierung monatlich Paliperidon- oder Haloperidol-Depot. Die empfohlenen Dosierungen liegen bei 75 mg bzw. 50 mg, wobei Anpassung an die klinische Situation vorgesehen ist. Primärer Endpunkt ist Therapieversagen, definiert als psychiatrische Krankenhauseinweisung, notwendige Krisenintervention, klinisch relevanter Anstieg der ambulanten Besuche, Absetzen der Depotneuroleptika wegen unzureichender Wirkung oder aber die klinische Entscheidung, dass die anfangs überlappend gegebenen oralen Antipsychotika nach acht Wochen nicht abgesetzt werden können oder danach wieder erforderlich sind. Das Erreichen des Endpunkts wird für jeden einzelnen Patienten durch ein unabhängiges verblindetes Komitee beurteilt. Im primären Endpunkt findet sich bei einer medianen Nachbeobachtung von 16 Monaten kein Vorteil für eine der Therapien (34% vs. 32%, Hazard Ratio 0,98; 95% Konfidenzintervall 0,65-1,47). Insgesamt brechen unter Paliperidon 71% der Patienten die Depot-Therapie ab versus 69% unter Haloperidol. Psychiatrische Krankenhauseinweisungen sind als häufigste Komponente des primären Endpunkts mit 30% vs. 23% unter Paliperidon numerisch häufiger, tardive Dyskinesien numerisch seltener als unter Haloperidol (11% vs. 15%). Weniger Patienten beginnen unter Paliperidon eine Medikation gegen Parkinsonismus und Akathisie (16% vs. 29% bzw. 4% vs. 11%). Wenigstens mäßig stark ausgeprägte Störwirkungen insgesamt sind allerdings mit 68% vs. 60% unter Paliperidon häufiger, ebenso schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (36% vs. 31%). Nach zwölf Monaten haben die Patienten unter Paliperidon im Mittel 3,5 kg Gewicht zu- und unter Haloperidon 2 kg abgenommen.1,2 Einmal monatlich 75 mg Paliperidon-Depot (XEPLION) kosten 492 € und damit 55-mal mehr als 50 mg eines günstigen Haloperidol-Depot-Generikums (HALOPERIDOL-NEURAXPHARM DECANOAT: 9 € bei 5 Amp. zu 50 mg für 44,51 €). Im April 2014 mahnte der Anbieter Janssen Ärzte in Japan zur korrekten Anwendung. 21 von schätzungsweise 10.900 Patienten verstarben dort innerhalb der ersten fünf Monate nach Markteinführung. Ein kausaler Zusammenhang konnte nicht gesichert werden. Auffällig war jedoch, dass das Depot bei körperlich instabilen Patienten angewendet, bei Umstellung von Risperidon-Depot möglicherweise überdosiert bzw. trotz rasch ansteigender Spiegel initial mit anderen Neuroleptika kombiniert wurde.3,4 Angesichts fehlender Belege für Vorteile raten wir weiterhin von der Anwendung von Paliperidonpalmitat ab (vgl. a-t 2013; 44: 22-3), -Red.

  (R = randomisierte Studie)
R  1 McEVOY, J.P. et al.: JAMA 2014; 311: 1978-86
2 STROUP, S. : Schreiben vom 14. Juli 2014 mit Korrektur zur Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse in1
3 Janssen Pharmaceuticals : Blue Letter vom 18. Apr. 2014 http://www.a-turl.de/?k=lixb
4 Pharmaceuticals and Medical Devices Agency, Japan : Safety Information, Mai 2014;
http://www.a-turl.de/?k=rche

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 22. August 2014

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