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Neu auf dem Markt

DACLATASVIR (DAKLINZA) GEGEN HEPATITIS C

Mit Daclatasvir (DAKLINZA), einem Hemmstoff des viralen Nichtstrukturproteins (NS) 5A, kommt in diesem Jahr bereits der dritte neue Wirkstoff zur Behandlung Erwachsener mit chronischer Hepatitis C in den Handel. Daclatasvir ist in unterschiedlichen Kombinationen bei Hepatitis-C-Virus Genotyp 1 und 4 zugelassen sowie – eingeschränkt – bei Genotyp 3. Beim hierzulande häufigsten Genotyp 1 und dem selteneren Genotyp 4 erlaubt der NS5A-Hemmer erstmals eine Interferon-freie Therapie ohne die Einschränkung, dass eine Behandlung dringend ist und gleichzeitig Interferone nicht verwendet werden können,1 wie sie für die bisher erhältlichen Interferon-freien Kombinationen mit dem Polymerasehemmer Sofosbuvir (SOVALDI; e a-t 4/2014 und a-t 2014; 45: 33-4) und dem Proteasehemmer Simeprevir (OLYSIO; e a-t 8/2014a) gilt.

EIGENSCHAFTEN: Daclatasvir soll über das Nichtstrukturprotein 5A (NS5A) sowohl die virale RNA-Replikation als auch die Virus-Zusammenlagerung hemmen.1

WIRKSAMKEIT: Bei Genotyp 1 ist Daclatasvir in der für Patienten ohne Zirrhose zugelassenen Kombination mit Sofosbuvir für zwölf Wochen lediglich in einer Phase-IIb-Studie2 an 41* nicht vorbehandelten Patienten und ohne Vergleich mit einer Standardtherapie geprüft. Allerdings erreichen alle 41 Patienten ein anhaltendes virologisches Ansprechen zwölf Wochen oder später nach Therapieende. Nach 24 Wochen Therapie mit der gleichen Kombination sprechen auch alle 21 untersuchten Patienten ohne Zirrhose an, bei denen zuvor ein Therapieregime mit Boceprevir (VICTRELIS; a-t 2011; 42: 77-9) oder Telaprevir (INCIVO; a-t 2011; 42: 104-7) versagt hat.1,3 Laut Fachinformation ist diese längere Therapie nach derartiger Vorbehandlung aber lediglich zu erwägen.1

* Insgesamt werden 6 verschiedene Therapieregime in 10 Gruppen an 211 Patienten mit Genotyp 1, 2 oder 3 untersucht.

Einzig für den Genotyp 4 liegt eine randomisierte Phase-III-Studie zum Vergleich mit einer Standardtherapie an 124 nicht vorbehandelten Patienten vor. 24 Wochen lang Daclatasvir als Zusatz zu Peginterferon alfa-2a (PEGASYS) plus Ribavirin (COPEGUS, REBETOL, Generika) für – abhängig vom Ansprechen – 24 bis 48 Wochen steigert gegenüber Peginterferon alfa-2a plus Ribavirin für 48 Wochen die Rate des anhaltenden virologischen Ansprechens von 43% auf 82%.1,3

Alle anderen in der Fachinformation empfohlenen Behandlungsregime sind an den dort angegebenen Patientengruppen nicht in klinischen Studien geprüft. Die Dreifachkombination mit Sofosbuvir plus Ribavirin für 24 Wochen bei Genotyp 3 ist lediglich an fünf Patienten untersucht, die alle ansprechen, jedoch anders als zugelassen weder eine Zirrhose haben noch vorbehandelt sind. Auch die optimale Therapiedauer und der zusätzliche Nutzen von Ribavirin sind unzureichend untersucht.1,3 Weitere Studien zur Kombination mit Sofosbuvir laufen.1

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt Daclatasvir-Kombinationen bei Genotyp 1 und 4 sowie bei Genotyp 3 mit Leberzirrhose als weitere Therapieoption.4

STÖRWIRKUNGEN: Häufigste Störwirkungen unter Daclatasvir plus Sofosbuvir für 12 Wochen sind Müdigkeit (32%), Übelkeit (17%) und Kopfschmerzen (15%). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse werden bei einem Patienten (2%) beobachtet, bei 24-wöchiger Einnahme bei 7 von 80 Patienten (9%).3 Fehlende Vergleichsstudien mit anderen Therapien erschweren die Beurteilung der Sicherheit dieser Kombination. Bei Zusatz zu Peginterferon alfa plus Ribavirin nehmen Juckreiz (31% versus 28% unter Peginterferon alfa plus Ribavirin), trockene Haut (22% vs. 14%), Alopezie (20% vs. 15%), grippeähnliche Beschwerden (25% vs. 19%) und Übelkeit (22% vs. 19%) zu. Schwere unerwünschte Ereignisse, bei denen ein Zusammenhang mit der Therapie vermutet wird, werden numerisch seltener (16% vs. 25%) beobachtet.3

KOSTEN: Einmal täglich 60 mg Daclatasvir (DAKLINZA) für 12 Wochen kosten fast 40.000 €. Die Kombination mit Sofosbuvir (SOVALDI) für 12 Wochen ist etwa 50% teurer als die Therapie mit Sofosbuvir plus Peginterferon alfa-2a (PEGASYS) und Ribavirin (COPEGUS) für 12 Wochen (99.947 € versus 65.871 € – berechnet für täglich 60 mg Daclatasvir, 400 mg Sofosbuvir sowie 1.000 mg Ribavirin und wöchentlich 180 µg Peginterferon alfa-2a).

∎  Mit Daclatasvir (DAKLINZA), einem Hemmer des viralen Nichtstrukturproteins 5A, ist ein weiteres neues Therapieprinzip zur Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Erwachsenen in den Handel gekommen, das in der Interferon-freien Kombination mit dem Polymerasehemmer Sofosbuvir (SOVALDI) allerdings an erschreckend wenigen Patienten geprüft ist.

∎  Für Daclatasvir plus Sofosbuvir wird bei Patienten mit Genotyp 1 ohne Zirrhose mit und ohne Vortherapie aus einer Phase-IIb-Studie zwar eine vielversprechende Rate des anhaltenden virologischen Ansprechens von 100% berichtet. Vor einer breiten Anwendung sollten jedoch die Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden, zumal der Nutzen bei mehreren Patientengruppen, für die die Therapie zugelassen ist, überhaupt nicht in Studien geprüft wurde.

∎  Angesichts der sich rasch wandelnden Therapie der Hepatitis C bei weitgehendem Fehlen von Vergleichsstudien fällt es zunehmend schwer, gut begründete Empfehlungen auszusprechen. Wir beurteilen Daclatasvir derzeit als Mittel der Reserve bei Genotyp 1.

  (R = randomisierte Studie)
1 Bristol-Myers Squibb: Fachinformation DAKLINZA, Stand Aug. 2014
R  2 SULKOWSKI, M.S. et al.: N. Engl. J. Med. 2014; 370: 211-21
3 EMA: Europ. Beurteilungsbericht DAKLINZA, Stand Juni 2014 http://www.a-turl.de/?k=tiep
4 SARRAZIN, C. et al.: Aktuelle Empfehlungen zur Therapie der chronischen Hepatitis C, Zugriff Okt. 2014; http://www.a-turl.de/?k=eiln

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 17. Oktober 2014

Autor: Redaktion arznei-telegramm - Wer wir sind und wie wir arbeiten

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