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Therapieempfehung

AKUTER HERZINFARKT:
ERHÖHT MAGNESIUM DIE ÜBERLEBENSCHANCEN?

Einige Studien lassen vermuten, durch die parenterale, hochdosierte Magnesiumzufuhr nehme die Herzinfarktgröße und die Mortalität nach akutem Herzinfarkt ab (vgl. a-t 6 [1991], 51).

Eine plazebokontrollierte Studie an über 2.300 Patienten vergleicht die Sterblichkeit nach akutem Herzinfarkt mit und ohne parenterale Magnesiumgaben. Die mit Magnesiumsulfat (MAGNESIUM DIASPORAL FORTE u.a.) behandelten Patienten erhielten 8 mmol als i.v.-Bolus, gefolgt von 65 mmol über 24 Stunden. Die Vierwochen-Mortalität liegt in der Magnesiumgruppe bei 7,8% und unter Plazebo bei 10,3%. Bei einem Drittel der Patienten wird der Einfluß von Magnesium mit und ohne Thrombolyse untersucht. Die Sterblichkeit sinkt nach Magnesiumbehandlung mit und ohne Thrombolyse in gleichem Maße. Untersuchungen zu Auswirkungen auf die Langzeitüberlebenszeit stehen aus.1

Eine Metaanalyse von acht kontrollierten Studien an 930 Patienten, die nach akutem Herzinfarkt Magnesium erhielten, bestätigt die positiven Befunde. Die Patienten erhielten in den ersten 24 Stunden parenterale Dosen zwischen 4,2 und 80 mmol. Unter Magnesium traten bei 10% der Herzinfarktpatienten Arrhythmien auf, unter Plazebo 16%. Die Sterblichkeit in der Plazebogruppe lag in der erwarteten Größenordnung von 11%. In der Magnesiumgruppe starben im Beobachtungszeitraum bis zu vier Wochen nach Herzinfarkt 5% der Patienten.

Für die positiven Effekte werden verringerte Arrhythmiehäufigkeit, systemische Gefäßerweiterung mit verringertem myokardialem Sauerstoffverbrauch, Herzkranzgefäßerweiterung, verminderte Plättchenaggregation, verbesserter Herzmuskelstoffwechsel, Schutz vor Katecholamin-induzierter Myokardnekrose und Verringerung der Myokardinfarktgröße verantwortlich gemacht. Einige dieser Effekte überlappen sich mit der Thrombolyse. Möglicherweise profitieren vor allem Patienten ohne Thrombolyse von Magnesiumgaben, jedoch fehlt in der Metaanalyse eine Aufschlüsselung in Personen mit und ohne Thrombolyse. An unerwünschten Wirkungen werden niedriger Blutdruck, Bradyarrhythmien und in Studien mit besonders hohen Magnesiumdosierungen höhergradige AV-Blockierungen genannt.2

FAZIT: Die parenterale Gabe von Magnesium in den ersten 24 Stunden nach Herzinfarkt verringert in einer kontrollierten Studie im Vergleich zu Plazebo die Vierwochen-Mortalität. Auch eine Metaanalyse an 930 Patienten mit akutem Herzinfarkt deutet auf verringerte Mortalität durch Magnesium hin. Die Auswirkungen auf die Langzeitüberlebensrate bleiben zu prüfen.

1   WOODS, K. L. et al.: Lancet 339 (1992), 1553
2   HORNER, S. M.: Circulation 86 (1992), 774


© 1992 arznei-telegramm

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