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ACE-HEMMER IM WIND DES WETTBEWERBS

Seit dem 30. Januar 1995 – unmittelbar vor Ablauf eines der Captopril (LOPIRIN, TENSOBON)-Patente – schlägt die Werbung für Captopril-Nachfolgepräparate Kapriolen, ungeachtet der Drohgebärden der Originalausbieterfirma Bristol-Myers Squibb, Captopril-Generika vor dem 1. Februar in Verkehr zu bringen.1 Der erste ACE-Hemmer wurde in Deutschland erst vor zwölf Jahren eingeführt. Inzwischen bringt die Präparate-Gruppe mit jährlich 1,5 Milliarden DM Spitzenumsätze.2

Zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz haben sich ACE-Hemmer als Mittel der Wahl bewährt (a-t 3 [1992], 29). Nach überstandenem Herzinfarkt senken sie als Komedikation die Sterblichkeit von Personen mit Herzmuskelschwäche (a-t 3 [1994], 26). Bei Bluthochdruck haben sie noch den Status eines Mittels der Reserve, wenn Standardtherapeutika wie Betarezeptorenblocker oder Diuretika kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden. Im Unterschied zu den dokumentierten lebensverlängernden Eigenschaften dieser "Hochdruck-Klassiker" bleibt noch offen, ob ACE-Hemmer bei Bluthochdruck Schlaganfall oder Myokardinfarkt vorbeugen und die Sterblichkeit verringern (a-t 12 [1993], 130).3

Störwirkungen wie häufiger trockener Reizhusten, seltenes, aber bedrohliches Angioödem und Hyperkaliämie sind gruppenspezifisch. Keiner der bislang erhältlichen zehn Wirkstoffe besitzt besondere Vorteile hinsichtlich Verträglichkeit oder klinischem Nutzen. Die Wahl fällt daher auf bewährte ACE-Hemmer mit breitem Erfahrungshintergrund wie Captopril und Enalapril (PRES, XANEF).3 Seit wenigen Tagen ermöglicht geeignete Präparatewahl Kosteneinsparungen von fast 80% (siehe Kasten). Gerüchte, die von minderwertigen Captopril-Ersatzstoffen aus indischer Produktion wissen wollen, ließen sich bisher nicht erhärten.

1

Bristol-Myers: "Wichtiger Hinweis", Ärzteztg. vom 30. Jan. 1995

2

SCHWABE/PAFFRATH: "Arzneiverordnungs-Report '94", Fischer, Stuttgart, 1994, Seite 18

3

Drug Ther. Bull. 33 (1995), 1


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