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Beta-Interferone auch bei fortgeschrittener Multipler Sklerose: Beta-Interferone senken bei Multipler Sklerose (MS) nicht nur die Schubrate, sondern können offenbar auch das Fortschreiten von Behinderungen hinausschieben (vgl. a-t 3 [1996], 27; 5 [1997], 53). Erstmals scheint sich ein Nutzen für Patienten im chronisch fortschreitenden Stadium (sekundär- progrediente MS) abzuzeichnen. Eine randomisierte Studie mit knapp 720 Teilnehmern wird jetzt vorzeitig gestoppt. Das 1b-Derivat BETAFERON soll während des zwei- bis dreijährigen Beobachtungszeitraumes anhaltende neurologische Verschlechterungen gegenüber Plazebo um 9 bis 12 Monate verzögern. Gemessen an der sogenannten KURTZKE-Skala nehmen körperliche Behinderungen unter Scheinmedikament bei 50% zu, unter Interferon beta-1b bei 39%. Die Zeit, bis ein Rollstuhl benötigt wird, verschiebt sich unter Verum um durchschnittlich 9 Monate. Weniger Patienten sind bei Studienende an den Rollstuhl gebunden (17% versus 25%). Das alle zwei Tage subkutan gespritzte Interferon beta-1b (8 Mio IU) wird schlecht vertragen. 60% leiden unter grippeähnlichen Beschwerden. 50% reagieren mit Entzündungen an der Einstichstelle, bei 5% entwickeln sich Nekrosen. Muskelschmerzen und erhöhte Muskelspannung betreffen 23% beziehungsweise 38%. Mehr als 12% brechen die Behandlung wegen Unverträglichkeit ab. Bei Auftreten neutralisierender Antikörper (28%) nimmt die Rückfallrate unter dem Mittel wieder zu (KAPPOS, L. et al.: Lancet 352 (1998(, 1491). Für Patienten mit fortgeschrittener MS läuft zur Zeit auch eine Studie mit Interferon beta-1a (AVONEX). Eine zweite kürzlich veröffentlichte Untersuchung bekräftigt den Nutzen von Interferon beta-1a (REBIF u.a.) im frühen Erkrankungsstadium. Unter dreimal wöchentlich 6 oder 12 Mio. IU s.c. geht die Schubrate zurück. Die Zunahme von Beeinträchtigungen wird um knapp zehn Monate hinausgeschoben. Die höhere Dosis wirkt nur in der kleinen Subgruppe der schwerer Erkrankten besser. Das 1a-Präparat scheint verträglicher zu sein als 1b. 4% brechen die Anwendung wegen Störwirkungen ab. Neutralisierende Antikörper (bei bis zu 24%) sollen die therapeutische Wirksamkeit nicht beeinträchtigen (EBERS, G. C. et al.: Lancet 352 [1998], 1498). Schering hat für BETAFERON auf der Basis der Einschlusskriterien der neuen Studie die Erweiterung der Indikationen beantragt. Trotz des belegten, wenngleich begrenzten Nutzens der Beta-Interferone für MS-Kranke bleibt nach wie vor offen, wie lange der Zeitgewinn in der Krankheitsprogredienz anhält, was die neutralisierenden Antikörper langfristig bewirken und wie bei Fortschreiten der Erkrankung unter der Therapie vorzugehen ist, -Red.


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